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Was wir von Kai Blome lernen ­können Dienstag, 22 Mai 2018 13:46 Foto: André Pause

Was wir von Kai Blome lernen ­können

Ein knappes Jahrzehnt sorgte die Partyreihe mit dem irritierenden Namen »Fiestaphobia« in der gesamten Region Braunschweig für Furore. Die Köpfe hinter der cleveren Idee, das hiesige Feiervolk mithilfe ausgeklügelter Konzepte an ungewöhnliche gerne auch entlegene Orte zu locken: Kai Blome und Robert Pillardy. Parallel zum Studium der Betriebswirtschaftslehre mit der Fachrichtung Tourismus planten die Kumpels und Geschäftsleute ab 2001 Sause um Sause und gründeten knapp zwei Jahre später die Agentur Blome & Pillardy Event GmbH. 2009 erfolgte dann der bewusste Rückzug aus diesem Bereich.


»Wir haben das insgesamt 35 Mal gemacht, mit jeweils 2000 bis 4000 Leuten. Ausverkauft waren fast alle Veranstaltungen. Ich habe damals trotz allem die Reißleine gezogen, weil es bei uns mit den lukrativen Firmenaufträgen immer mehr wurde. Das war im Grunde auch das Ziel, ich wollte nicht mein Leben lang Partys organisieren«, sagt Blome.

Der Kernidee treu ­geblieben

Die Agentur blieb trotz der strategischen Neuausrichtung bestehen. Mitgründer ­Pillardy ist immer noch Gesellschafter, nur die Geschäfte führt Kai Blome seither alleine. Der Kernidee des Unternehmens sei man unterdessen treuer geblieben, als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. »Wir haben zwar mit Fiestaphobia begonnen, aber schon 2005 lag der Schwerpunkt klar beim Firmengeschäft, also bei reinen Auftragsarbeiten aus der Wirtschaft. Dabei stehen wir dafür, Konzepte von Grund auf zu entwickeln. Bei uns gibt es nichts von der Stange. Jeder Kunde bekommt kein von vornherein fertig geschnürtes Paket nach dem Motto ›haben wir gerade im Angebot‹. Vielmehr erhält er ganz individuelle Vorschläge, ein genau auf den Anlass – Einweihung, Eröffnung, neues Gebäude, neues Produkt, Jubiläum oder Mitarbeiterveranstaltung – zugeschnittenes, betriebswirtschaftlich und marketingtechnisch gut darstellbares Konzept.«

Verlässlich planen

Dass die Veranstaltungs-Arbeit mit festen Kunden grundsätzlich lukrativer sei als die Partymacherei, könne nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Gerade die Open-Air-­Veranstaltungen im Sommer hätten sehr gut funktioniert. »Da aber musst du dich erst einmal hinzittern. Zwischendurch gab es durchaus harte Veranstaltungen, weiter draußen, am Flughafen beispielsweise. Ich erinnere mich noch an einen Tag, da hat es in Strömen geregnet, und dann kommt eben niemand. Dann stehst du da und hast 10 000 bis 15 000 Euro investiert und keine einzige Person kommt. Von daher liegen Fluch und Segen in diesem Segment schon sehr dicht beieinander.«

Kundenveranstaltungen seien durch die Bank planbarer. Selbst wenn es, anders als bei Werbe­agenturen, keine zeitbezogenen Rahmenverträge gibt, so wisse man zumindest von Auftrag zu Auftrag, was man hat. »Da wird vorher alles besprochen und es gibt einen festen Kostenplan, der bestätigt wird. Damit kannst du verlässlich planen«, betont Blome. »Dass die Gewinnung von Aufträgen nervenaufreibend bleibt, auch persönlich für mich, ist klar. Schließlich müssen jedes Jahr so viele an Land gezogen werden, dass das Team bezahlt werden kann.«

Expansion in der ­Metropolregion

Die Kernmannschaft besteht bei Blome & Pillardy Event seit fünf Jahren aus etwa zehn Personen exklusive freier Mitarbeiter. Außerdem werden in allen drei Lehrjahren regelmäßig Veranstaltungskaufleute ausgebildet und nach Möglichkeit auch übernommen. Ganz gezielt verstärkt hat Kai Blome sein Unternehmen in den vergangenen Jahren zudem mit zwei erfahrenen Kräften. Zum einen heuerte Event- und Marketingmanager Felix Walzog, der zuvor elf Jahre mit seiner eigenen Agentur in Wolfsburg tätig war, im Gotenweg 10 an. Mit ihm habe es einen »entscheidenden Kick« hin zu modernen Veranstaltungsformaten im Bereich VR gegeben. Folgerichtig sei nun im Gespräch, das Walzog mit einem eigenen Büro in Wolfsburg räumlich näher an die Kunden in der VW-Stadt heranrückt.

In Hannover hat die diplomierte Eventmanagerin Merle Nebel-Engehausen die Räume für Blome & Pillardy Event unlängst bezogen. Dort gehe es für die Agentur derzeit »ziemlich durch die Decke«, lächelt der ­Geschäftsführer, der den Markt zuvor zwei Jahre lang in Augenschein genommen hat. Das Ergebnis seiner Recherchen: Trotz des etwa doppelt so großen Marktes mit vielen potenziellen Kunden sowie einer lebendigen Agenturszene klaffte im Bereich des traditionellen Veranstaltungs­managements eine Lücke. Das habe ihn letztlich dazu bewogen, auch in die andere Richtung der Metropolregion zu expandieren. Der Ansatz der Veranstaltungen in der Landeshauptstadt verströme schon etwas mehr Großstadtflair, es seien andere Dimensionen, andere Budgets, so Kai Blome: »Ich hatte zudem das Glück, mit Merle eine Mitarbeiterin zu finden, die, nachdem sie in ganz Europa – lange bei einer sehr großen Agentur in Wien – unterwegs war, nach Hannover zurückwollte. Sie hat auch internationale Projekte betreut, kennt also auch diese Dimen­sionen. Mit der von uns geleisteten Vorarbeit und den Referenzen, die sie aber auch wir vorweisen können, ist es von Anfang an sehr gut gelaufen. Das Büro in Hannover ist genau zum richtigen Zeitpunkt entstanden und hat sich jetzt schon rentiert, damit hätte ich nie im Leben gerechnet. Daher soll hier demnächst auch ein zweiter fester Arbeitsplatz entstehen.«

Veränderte Anforderungen

Ganz egal, ob neue oder alte Mitarbeiter: sie sind in einer Branche tätig, in der die Anforderungen inzwischen sehr viel zahlreicher sind, als noch vor einigen Jahren. Das, so Blome, hänge auch mit den Auswirkungen der Digitalisierung zusammen, vor allem aber mit behördlichen Reglementierungen. »Mehr Bürokratisierung und mehr Gesetze gibt es wahrscheinlich in vielen Branchen. Bei uns ist das aber ziemlich extrem geworden, gerade bei Veranstaltungen mit mehr als 200 Personen. Da gilt es, die Versammlungsstättenverordnung zu beachten und damit sind extrem viele Regularien verbunden«, betont Blome, der das Veranstaltungsmanagement mit dem Bauen von Gebäuden vergleicht. »Da gibt es wirklich einen Bauantrag mit Fluchtwegenachweisen, Fluchtlängen, Raumhöhen, Wegeleitungskonzepten, Feuerlöschern und so weiter. Das wird immer mehr und aufwändiger, aber wir übernehmen das für die Kunden«, sagt er. Dass darüber hinaus Themen wie Versicherungen, Gema oder Künstlersozialkasse im Leistungsspektrum der Agentur abgebildet werden müssen, versteht sich von selbst. Auf die behördlichen Auflagen habe man sich inzwischen sehr gut eingestellt. »Das ging so weit, dass wir bei der neusten Versammlungsstättenverordnung Regularien mit der Stadt gemeinsam ausgearbeitet haben. Damit weiß ich, was ich meinen Mitarbeitern sagen und vermitteln muss«, beschreibt Kai Blome, der sehr froh ist, einen engen Draht zur Stadt zu pflegen. »So sind wir in der Lage, auch kniffligste Probleme zu lösen. Wir erfüllen alle komplexen recht­lichen und behördlichen Regeln, was heute nicht mehr zu unterschätzen ist.«

Marktführer seit ­vielen ­Jahren

Hier und da mal »ein Stein im Brett« zu haben, mache sich bezahlt. Durchschnittlich brauche die Agentur pro Jahr etwa 33,5 Projekte, um den notwendigen Deckungsbeitrag zu erwirtschaften. Der Gesamtumsatz inklusive der eingekauften Gewerke bewege sich laut Blome immer zwischen 1 und 2 Millionen Euro. »Dem Unternehmen geht es gut. Wir sind seit vielen Jahren Marktführer, hatten bislang im Grunde nur gute und sehr gute Jahre. Mit einem Ausreißer nach oben in 2015«, betont der Geschäftsführer, der anlässlich des 15. Unternehmensgeburtstages einen besonderen Coup plant. Im Herbst dieses Jahres soll es nach neun Jahren Pause die 36. und letzte »Fiestaphobia« geben.

Bild ganz oben: Kai Blome hat die Veranstaltungsagentur Blome & Pillardy Event gemeinsam mit Robert Pillardy, der immer noch Gesellschafter ist, gegründet. Die Geschäfte führt Blome seit 2009 allein.

 
 
 
 
geschrieben von  pau
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