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Was wir von Hans-Werner ­Ruhkopf und der MAN Academy lernen ­können Montag, 23 April 2018 10:13 Foto: Frank Bierstedt

Was wir von Hans-Werner ­Ruhkopf und der MAN Academy lernen ­können

»Wir wählen nicht zwangsläufig die Besten aus, sondern unter den Besten die, die am besten zu uns passen«, erklärt Hans-Werner Ruhkopf beinahe philosophisch, und ergänzt: »Das hat den Vorteil, dass wir Bewerber umgehen, die uns nach der Ausbildung vermutlich gleich wieder verlassen und studieren, sondern jene gewinnen, die bei uns im Unternehmen bleiben. Diesen ­jungen Mitarbeitern bieten wir später gute Qualifizierungsmöglichkeiten.«



Ruhkopf leitet am Standort Salzgitter die MAN Academy, die bei dem Nutzfahrzeughersteller für die gesamte Aus- und Weiterbildung zuständig ist. MAN beschäftigt im Werk Salzgitter rund 2500 Mitarbeiter, davon 150 Auszubildende. Es ist heute ein Komponentenwerk und ein Ersatzteillieferant für das gesamte Unternehmen. Bis 2016 wurden hier noch Lkw montiert.

Bewerberzahl gestiegen

Der Ausbildungsleiter hat in Sachen Nachwuchs eine große Auswahl. Allein für dieses Jahr haben sich rund 1400 Kandidaten um die 45 zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze beworben. Ruhkopf ist stolz darauf, dass gegen den Trend in anderen Unternehmen die Bewerberzahl noch einmal gestiegen ist – vor allem auch in den gewerblich-technischen Berufen. In Salzgitter wird in vier Kernberufen ausgebildet: Industriemechaniker, Mechatroniker, Zerspanungstechniker und Fachkraft für Lagerlogistik. Hinzu kommen noch einige Stellen im kaufmännischen Bereich und duale Studenten, die ihre Ausbildung in einer Kombination von betrieblicher Praxis bei MAN und Studium an der Fachhochschule Ostfalia absolvieren.

»Rund 70 Prozent der Auszubildenden sind Realschüler und zehn Prozent Hauptschüler«, berichtet Ruhkopf. Der Anteil der jungen Frauen betrage im Logistikbereich 65 Prozent, im gewerblich-technischen Bereich allerdings erst bis zu 20 Prozent. Da gebe es noch einiges zu tun, meint er: Es müssten sich allerdings auch mehr Mädchen bewerben.

Mit fachlichem Grund­wissen in die Abteilungen

Alle Auszubildenden bleiben die ersten eineinhalb Jahre im Ausbildungszentrum, um ein fachliches Grundwissen zu erwerben. Dann geht es in die einzelnen Abteilungen des Werkes. Die Ausbildung vor Ort im Betrieb mache rund 40 Prozent aus, schätzt Ruhkopf. Im Logistik­bereich sei der betriebliche Anteil höher.

Warum ist denn MAN bei jungen Leuten so gefragt? »Wir bieten eine gute fachliche Ausbildung, haben in unserem Ausbildungszentrum eine moderne technische Ausstattung und wir pflegen eine familiäre Atmosphäre«, fasst Ruhkopf zusammen. Das spreche sich bei Jugendlichen herum. Ein Drittel aller Auszubildenden seien Kinder von Mitarbeitern. Denen biete man jährlich eine einwöchige »Summer School« an, damit sie das Unternehmen, in dem meist der Vater arbeitet, kennen und schätzen lernen können. Außerdem gibt es bei MAN einige bemerkenswerte Projekte, die für eine klassische Industrie-Ausbildung eher ungewöhnlich sind. Beispielsweise geht am Anfang der Ausbildung jeder neue Jahrgang eine Woche ins MAN-Gästehaus nach Braunlage. Dort kann man sich kennenlernen, in lockerer Atmosphäre Fragen (auch persönlicher Art) an die Ausbilder stellen und es gibt ein besonderes Kommunikationstraining.

Beispielhafte Projekte

Das Thema Kommunikation bereitet Ruhkopf schon Sorge: »Die Smartphone-Generation kommuniziert immer weniger direkt. Elektronisch ist die Sprache viel rauer und frecher als bei direkter Kommunikation.« Deshalb wird die Auge-in-Auge-Kommunikation geübt. Während der Arbeitszeit im Ausbildungszentrum gibt es ein Handy-Verbot.

Kommunikations- und ­Sozialkompetenz

Bei einem anderen Projekt arbeite man mit der Lebenshilfe Braunschweig zusammen, erzählt Ruhkopf: »Unsere Auszubildenden gehen zwei Wochen in Werkstätten der Lebenshilfe und Behinderte kommen zwei Wochen in unser Ausbildungszentrum. Da gibt es immer wieder bewegende Eindrücke auf beiden Seiten.« Ein anderes Projekt: Jährlich besuchen alle Auszubildenden zwei Tage lang die Justizvollzugs­anstalt Wolfenbüttel, wobei auf dem Programm auch ein Besuch der Gedenkstätte für Opfer der NS-Justiz in der Haftanstalt steht.

Karriere in verschiedenen Funktionen

Werner Ruhkopf ist ein MAN-ler von der Pike auf – wie übrigens noch viele Mitarbeiter der Stammbelegschaft in Salzgitter. Gelernt hat er vor 39 Jahren den Beruf des Drehers, im damaligen Komponentenwerk Braunschweig, das 1986 nach Salzgitter verlagert wurde. Er hat in Salzgitter und im MAN-Stammwerk München eine Karriere in verschiedenen Funktionen in der Fertigung und im Ausbildungsbereich gemacht, ist schon in jungen Jahren Meister geworden und hat später nebenberuflich Maschinenbau studiert. Anfang 2017 übernahm er schließlich die Leitung der MAN Academy in Salzgitter. ­Ruhkopf: »Man muss es mögen, mit Menschen zu arbeiten. Mir macht es viel Spaß, junge Leute auf den Berufsweg zu bringen, mit ihnen zusammenzuarbeiten und gemeinsam Ziele zu erreichen.«

Er stelle immer wieder fest, dass es jungen Leuten häufig an allgemeinem Basiswissen mangele, erzählt Ruhkopf. Wenn es für den Beruf wichtig ist, beispielsweise das Rechnen, dann gibt es bei MAN neben der Ausbildung eine spezielle Betreuung dafür. Mitunter seien die Jugend­lichen der Smartphone-Generation unkonzentriert, könnten sich schwer an feste Regeln (etwa Pünktlichkeit) halten und sich in Strukturen einordnen. Er meint aber auch: »Das sind bei uns Einzelfälle und das gibt sich dann schnell.«

Aus- und Weiterbildung verknüpfen

Grundsätzlich findet der Akademieleiter, dass die Grenzen zwischen Aus- und Weiterbildung immer mehr verwischen. So müsse man die Auszubildenden schon heute auf die Technik von morgen vorbereiten, etwa bei der Automatisierung und bei der Robotertechnik, um später die Weiterbildung zu minimieren. Ruhkopfs Fazit: »Wir sind nicht für Aus- und für Weiter­bildung zuständig, sondern für Bildung insgesamt. Daher verknüpfen wir die Bereiche.«
geschrieben von  sie