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Was wir von Dominik und Patrik Werner lernen können Montag, 12 März 2018 11:20 Foto: Frank Bierstedt

Was wir von Dominik und Patrik Werner lernen können

»Wir sind schon längst kein klassisches Sanitätshaus mehr, sondern vielmehr ein Gesundheitshaus, kein Einzelhändler, sondern ein Dienstleistungsbetrieb rund um das Thema Gesundheit«, erzählt Patrik Werner, der zusammen mit seinem Bruder Dominik das alteingesessene Sanitätshaus Werner & Habermalz in Goslar in vierter Generation führt. Der Firmenname ist ein bekannter in Goslar und im Harzvorland. Die beiden Brüder, 32 und 28 Jahre alt, haben den Familien­betrieb vor einigen Jahren übernommen und sind seitdem neue Wege gegangen.

»Wir haben unser Image verändert, unser Angebot an Produkten und Dienstleistungen erweitert und uns auf hohem Qualitätsniveau zertifizieren lassen«, erläutert Dominik Werner. Damit sei man im Branchentrend mit vorn. Man verstehe sich heute als kompetenter Ansprechpartner in Sachen Gesundheit: In der Beratung mit Kunden werden komplette Lösungen für ihre Probleme erarbeitet und dann Partner in anderen Bereichen vermittelt, wenn man die Leistungen nicht selbst anbieten kann.

Berater kommen ins Haus

Die beiden Brüder setzen also auf interdiszipli­näre Zusammenarbeit. Kooperationspartner sind beispielsweise Apotheken, Physio- und Ergotherapeuten, ambulante Pflegedienste und auch Ärzte. »Bisher haben sich Vertreter dieser Berufe auf dem hart umkämpften Gesundheitsmarkt eher als Konkurrenten gesehen«, berichtet Patrik Werner. Doch Zeit- und Kostendruck zwängen zur Kooperation. »Wir wollen bei einer solchen Kooperation federführend sein, die Kunden und Patienten umfassend beraten und dann Partner einbeziehen.« Beispielsweise beschäftige man einen Berater, der sich ausschließlichen darum kümmert, wie das Wohn­umfeld von behinderten oder älteren Kunden verbessert werden kann – etwa durch Umbauten in der Wohnung oder im Haus sowie durch Einsatz von technischen Hilfsmitteln. Der Berater kommt ins Haus und begutachtet vor Ort die Möglichkeiten. Er hilft beim Kontakt mit der Pflegekasse, die für solche Projekte Zuschüsse gewährt, und vermittelt gegebenenfalls auch spezialisierte Handwerker vor Ort.

Naturgemäß sind die Kunden eines Sanitätshauses meist älter. Aber die beiden Werners wenden sich mit speziellen Angeboten zur gesundheitlichen Prävention auch an jüngere Menschen: So bieten sie Körper- und Haltungs­analysen, Fußdruckvermessungen oder Ratschläge zum sitzenden Arbeiten im Büro an. Für ihre Partner und für Pflegeheime veranstalten sie regelmäßig fachliche Weiterbildungen und sie bieten ihren Kunden Unterstützung in Rechtsfragen an – etwa beim Streit mit der Kasse, bei der Genehmigung von Maßnahmen.

Vier Säulen des Geschäfts

Das Geschäft von Werner & Habermalz ruht auf vier Säulen. »Besonders stark und innovativ sind wir in der Orthopädietechnik, vor allem im Prothesenbau«, stellt Patrik Werner fest. Hier werde mit modernster 3-D-Scannertechnik gearbeitet. Aus zugelieferten Teilen entstehen maßgerecht gebaute und angepasste Prothesen, der Schaft – meist aus Holz oder Carbon – wird in der eigenen Werkstatt hergestellt.

Im Sanitätsbereich finden Kunden das klassische Sortiment vor: von der Bandage über Stützstrümpfe oder MBT-Schuhen bis zu Krankenpflegemitteln. Im Bereich der Reha-Technik geht es vor allem um Rollstühle, Rollatoren oder Pflegebetten. Seit sechs Jahren hat der Betrieb eine eigene Werkstatt mit inzwischen sechs Fachkräften und mit neuester Technik zur Anfertigung von orthopädischen Schuhen und Einlagen.

Umbau und ­Modernisierung

Patrik Werner ist gelernter Orthopädietechniker und sein Bruder hat BWL studiert. »Wir ergänzen uns mit unseren Berufen sehr gut«, meint Dominik Werner. Mutter Irene ist noch Gesellschafterin, hat sich aber aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Das Unternehmen wurde vor fast 90 Jahren gegründet, gehört seit 30 Jahren nur noch der Familie Werner. Die beiden Söhne sind seit acht beziehungsweise vier Jahren dabei. Sie haben den Stammbetrieb in der Goslarer Altstadt systematisch und schrittweise bei laufendem Geschäft umgebaut und modernisiert. Zugleich wurde erfolgreich das Geschäft ausgeweitet und es wurde in den vergangenen Jahren ein Wachstum deutlich über dem Branchendurchschnitt erreicht.

Die Zahl der Mitarbeiter hat sich seitdem auf 43 mehr als vervierfacht. Inzwischen gibt es Filialen in einem Ärztehaus in Goslar nahe dem Bahnhof und in Bad Harzburg. »Wir planen ein weiteres Wachstum«, kündigt Dominik Werner an und will neue Filialen im Harz oder im Harzvorland nicht ausschließen. Sein Bruder meint: »Aber erst einmal wollen wir unsere betrieblichen Abläufe und Strukturen auch im Hinblick auf eine weitere Digitalisierung der Prozesse auf den Prüfstand stellen.«

Ausbildungsbetrieb in vier Berufen

Das Unternehmen bildet in vier Berufen aus und hat derzeit fünf Auszubildende. Es sei schwer, guten Nachwuchs gerade für Handwerksberufe zu bekommen, berichten beide. Dabei sei der Beruf des Orthopädietechnikers interessant, abwechslungsreich und innovativ, meint Patrik Werner: Beim Prothesenbau sei die technische Entwicklung durch Einsatz neuer Materialien und von Elektronik geradezu rasant. Außerdem sei es doch schön, für und mit Menschen zu arbeiten. Patrik Werner: »Man schenkt den Patienten Lebensqualität, wenn man ihnen hilft.«
Was sind denn die Erfolgsfaktoren für diese positive Entwicklung? Patrik Werner fasst zusammen: Ein bekannter Name in der Harzer Region, ein erweitertes Angebot, Einsatz neuer Technologien in den Werkstätten sowie die Bereitschaft, neue Marktentwicklungen schnell und flexibel aufzunehmen. Außerdem habe man ein intensives Marketing in der Region betrieben.

Es ist wohl eher die Ausnahme, dass Geschwister gemeinsam einen Familienbetrieb übernehmen. Die beiden Werners haben diese Entscheidung bisher nicht bereut. »Wir kommen gut miteinander aus und haben mit unseren Berufen auch eine klare Arbeitsteilung«, meint Dominik Werner: »Die Zusammenarbeit klappt gut. Wir haben sogar ein gemeinsames Büro. Natürlich gibt es auch mal Reibereien, aber die kann man unter Brüdern besser lösen. Schließlich haben wir die gleichen Ziele und Visionen.


Bild ganz oben: In der Orthopädie-Werkstatt: Die Brüder Dominik (links) und Patrik Werner.

geschrieben von  sie
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