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Das Zuhause ist mein Ruhepol Dienstag, 16 Januar 2018 09:21 Foto: André Pause

Das Zuhause ist mein Ruhepol

Im Flur ihres Wolfenbütteler Hauses steht ein imposantes Motorrad aus Balserholz. Das filigrane, vielteilige Kunstwerk ist Blickfang und zugleich Dokument einer gemeinsamen Leidenschaft von Iljana und Carsten Raute. Während ihr Mann das aktive Biken mittlerweile aufgegeben hat, fährt die Leiterin des niedersächsischen Firmenkundengeschäfts bei der HypoVereinsbank zumindest an Sommerabenden ab und an in den Harz, um »dort die Kurven zu quälen«, wie sie lachend erzählt. Ganz so zahlreich sind diese Ausflüge mit ihrer Kawasaki Ninja 900 freilich nicht mehr, ist die 45-Jährige doch meist auf vier Rädern unterwegs, von Helmstedt bis zur deutsch-niederländischen Grenze – beruflich wohlgemerkt.



Der Start in den Arbeitstag beginnt morgens zwischen 6 und 6.30 Uhr im Auto, enden tut er ebendort eigentlich nie vor 19 Uhr mit dem Öffnen der Fahrertür. Ihrem Naturell entspräche das Leben auf Achse, sagt Iljana Raute. Andererseits sei die Reisebereitschaft auch unabdingbare Voraussetzung für ihren Job. Im Laufe der Jahre hat die gebürtig aus Bolzenburg in Mecklenburg-Vorpommern stammende Direktorin gelernt, die Fahrzeiten äußerst effizient zu nutzen: am Telefon. »Wenn ich alleine im Auto bin, erledige ich im Grunde meine komplette Korrespondenz. Ganz früh am ­Morgen sind es die privaten Gespräche, da kann ich zwar noch nicht mit Kunden sprechen, aber Freundschaften pflegen und die Familie berücksichtigen. Tagsüber zwischen den Terminen und auf dem Heimweg telefoniere ich dann dienstlich, weil ich abends, wenn ich nach Hause komme, eigentlich alle Telefone ausmachen möchte, um noch ein Stück weit Privatleben zu haben«, skizziert die Bankerin. Mittlerweile gehörten die Fahrten als Rüstzeit für ihre Tätigkeit wie Zähneputzen dazu. »Mein Auto ist mein fahrendes Büro, da habe ich alles dabei«, schmunzelt sie.

Sparringspartnerin für ihre Kollegen

Ihre stationären Arbeitsplätze hat Iljana Raute, die seit Februar 2016 nach acht Jahren bei der Norddeutschen Landesbank zur HypoVereinsbank gewechselt ist, in Hannover und Braunschweig. Insgesamt trägt sie Verantwortung für 21 Mitarbeiter. Ist die Filiale am Bankplatz in Braunschweig mit zwei Firmenkundenbetreuern und einer Assistenz eher sparsam besetzt, sind ihr in der Landeshauptstadt gleich 18 Kollegen unterstellt. Die Personalführung sei der eine wesentliche Teil ihrer Tätigkeit, der zweite umfasse den Bereich Coaching. »Ich sehe mich schon als Sparringspartner für meine Kollegen. Ich gehe mit raus, bin bei Kundengesprächen dabei, dies allerdings auch, um dem Kunden die Wertschätzung entgegenzubringen, die er verdient«, erklärt Raute. Profitieren würden im eigenen Haus dabei letztlich beide Seiten: »Ich habe zwei Juniorfirmenkundenbetreuer, 27 und 30 Jahre alt. Die profitieren, wenn ich meine Berufs- und Lebenserfahrung einbringe, wenn sie mich im Hintergrund wissen. Auf der anderen Seite sind die beiden so frisch und unvoreingenommen, dass ich ebenfalls etwas mitnehme. Aber auch gestandene Firmen­kundenbetreuer begleite ich hin und wieder.«

Kunden und Geschäfts­modelle verstehen

Ihr Geschäft sei schon vielfältig: immer wieder neue Branchen, immer wieder neue Unternehmerpersönlichkeiten. Jedoch bringe dieser Umstand auch die eine oder andere Herausforderung mit sich. »Dreh- und Angelpunkt unserer Arbeit ist, dass wir lieferfähig sind, dass wir den Kunden und sein Geschäftsmodell wirklich verstehen«, betont die Managerin. Allen durch Industrie 4.0 und die Digitalisierung bedingten Umbrüchen in ihrer Branche zum Trotz ist sich Iljana Raute sicher, dass die Unternehmenskundenberatung Peoplebusiness bleibe. »Das wird weiterhin Face to Face laufen. Allerdings müssen wir wegkommen von diesem überheblichen Wir-sind-die-Banker-Denken und schauen, dass wir dem Kunden einen Mehrwert bieten. Das funktioniert in Zeiten, in denen sich jeder im Internet schlau und online vom Handy aus Bankgeschäfte machen kann, natürlich nicht mehr über eine Standardpräsentation. Das gelingt uns nur, wenn wir mit einer zündenden Idee kommen, wenn wir anders sind. Unser Anspruch muss es sein, auf Augenhöhe als Ansprechpartner für den Kunden da zu sein. Und das geht nur, wenn ich mich mit den individuellen Gegebenheiten eines Unternehmens auseinandersetze.«

Vielfältige Einblicke

Das basale Rüstzeug für diese Aufgabe hat Raute an der Finanzfachschule Gotha erhalten. Ihr Studium hatte sie 1989 begonnen. »Als die Wende kam, wurden wir erst mal nach Hause geschickt, weil zunächst niemand genau wusste, wie es weitergeht. Mit Hilfe des Bundeslandes Hessen wurde der Studiengang aber schon ab Januar 1990 neu aufgesetzt. Ich habe mit meiner Ausbildung also gleich fortfahren können«, erinnert sich die Firmenkundenleiterin. Daneben hat sie Praktika absolviert und ist nach ihrem Abschluss direkt bei der Raiffeisenbank Büchen-Hagenow eingestiegen. »Dort habe ich alles durchlaufen: vom Schalter über Wohnbaufinanzierung bis hin zur Filialleitung im Privatkundensegment. Bei den Firmenkunden bin ich dann geblieben, weil es der für mich spannendste Bereich ist«, sagt sie. Diesem ist sie arbeitgeberübergreifend nun seit mehr als 20 Jahren treu.

Leben in Wolfenbüttel

Auch wenn der Job Iljana Raute in der Woche quasi komplett fordert – bei abendlichen Veranstaltungen vertritt sie die HypoVereinsbank selbstverständlich ebenfalls, sodass die Wiederkehr nach Wolfenbüttel schon mal gegen 22 oder sogar 23 Uhr erfolgt: tauschen möchte die auch bei den Braunschweiger Wirtschaftsjunioren ehrenamtlich im Arbeitskreis Bildung und Wirtschaft aktive Bankbetriebswirtin mit niemandem. Das private Umfeld trägt dazu in entscheidendem Maße bei. Ihr gemütliches Zuhause in der Lessingstadt bezeichnet Raute als absoluten Ruhepol. »Ich habe einen fabelhaften Mann, der mir zuhause den Rücken freihält, was das Haus und den Garten angeht. Er kocht leidenschaftlich, so dass das gemeinsame Abendessen am Küchentisch unser Ritual ist. Das ist für mich schlicht Gold wert.«

Gemeinsame ­Leidenschaften

Das idyllisch gelegene Domizil in der Wahl­heimat (»Ein positives Schicksal: Mein Mann ist gebürtiger Wolfenbütteler und ich fühle mich hier pudelwohl«) ist neben dem Golfsport die zweite gemeinsame Leidenschaft der Rautes, die sich vor dreizehn Jahren bei der Arbeit kennengelernt und vor vier Jahren geheiratet haben. Am Wochenende packt die ­Bankdirektorin hier ordentlich mit an: drinnen und draußen. Eigenhändig hat das Paar beispielsweise im Garten einen fischreihergeschützten Teich für Koi-­Fische angelegt. 18 Karpfen tummeln sich hier im Wasser. Im Sommer die Fische zu beobachten – das beruhige sehr, meint Iljana Raute, und freut sich: »Zum Geburtstag hat mein Mann die Fische fotografiert und in Öl malen lassen. Das Ergebnis hängt jetzt im Wohnzimmer. Das ist toll, weil die echten Fische jetzt gerade Winterstarre halten.« Wenn sich die Originale bei milderen Temperaturen wieder an der Wasseroberfläche zeigen, wird sie es erfahren, spätestens am Küchentisch oder aber am Telefon – im Auto.

Bild oben: In der Woche kommt Iljana Raute selten vor 19 Uhr nach Hause ins idyllisch gelegene Wolfenbütteler Domizil.
geschrieben von  pau