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In zwölf Jahren vom Ein-Mann-Betrieb zum mittelständischen Unternehmen Montag, 08 Januar 2018 11:21 Foto: Jörg Scheibe

In zwölf Jahren vom Ein-Mann-Betrieb zum mittelständischen Unternehmen

Auf dem Betriebshof vor der großen Lagerhalle steht bei unserem Besuch ein langer Lkw-­Auflieger, der vollgepackt ist mit Dutzenden von Druckern und Kopierern – alle gebraucht, aber alle technisch aufgearbeitet, also fast wie neu. Das Ziel der Fracht ist der Hamburger Hafen und dann Ägypten. Wir sind beim Unternehmen EDV-Holst in Braunlage, das erfolgreich im Online-­Handel mit gebrauchten und zunehmend auch mit neuen Druckern und Kopierern arbeitet.

Jeden Monat werden hier rund 6000 Geräte umgeschlagen, davon gehen 80 Prozent in den Export, vor allem nach Südeuropa und Nordafrika, aber auch bis nach Dubai. »Wir sind ein Global Player und verkaufen mehr Geräte nach Marokko, als nach Norddeutschland«, erzählt Firmen­chef Andreas Holst. Er hat in den vergangenen zwölf Jahren eine Erfolgs­geschichte geschrieben: Vom Ein-Mann-Betrieb im heimischen Wieda (Südharz) bis zum mittelständischen Unternehmen, das inzwischen 23 Mitarbeiter beschäftigt – Tendenz weiter steigend.

Der Standort Braunlage

Damit dürfte die Firma der größte private Arbeit­geber außerhalb der Tourismus-Branche in Braunlage sein. »Dennoch werden uns viele Einheimische gar nicht kennen«, meint Andreas Holst, den es einst aus persönlichen Gründen in die Harzer Touristik-Hochburg verschlagen hat. Mit dem Standort ist er insgesamt zufrieden: Vorteilhaft sei, dass man relativ kostengünstig arbeiten könne. Nachteilig sei die schwierige logistische Anbindung an Speditionen und Paketdienste. Außerdem benötige er mehr Lagerräume. Zeitweise stapeln sich bis zu 30 000 Geräte, so dass er inzwischen schon drei zusätzliche Lagerflächen in benachbarten Harzer Orten hat anmieten müssen.

Geschäftsidee ­Wiederverkauf

Holst ist gelernter IT-Systemkaufmann. Im Jahr 2005 begann er nebenberuflich in Wieda im eigenen Heim mit dem Drucker-Handel. An sein erstes Gerät erinnert er sich noch genau: »Es war ein Drucker von Hewlett-Packard, den ich gebraucht bei eBay gekauft, dann technisch aufgemöbelt und im Internet zum fünffachen Preis wiederverkauft habe.« So entstand eine erfolgreiche Geschäftsidee. Schon bald stieg Holst voll in den Handel ein und beschäftigte die ersten Mitarbeiter. Dann wurde es im Eigenheim zu eng. 2008 kaufte er in Braunlage auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks mehrere Gebäude. Damals hatte er sechs Mitarbeiter. Seitdem hat sich die Zahl vervierfacht und der Umsatz verzehnfacht. »Ich habe inzwischen rund eine halbe Million Euro in die Modernisierung der Gebäude, in Umbauten und in den Brandschutz investiert«, berichtet der Firmenchef.

Geräte aus ­Insolvenzmassen

Seit fünf Jahren arbeitet das Unternehmen auch international, sowohl bei der Beschaffung als auch beim Verkauf von Druckern und Kopierern. Die Geräte kommen aus Roll-Outs, aus Insolvenzmassen, aber auch von Privatleuten. Dafür macht Holst gezielt Werbung, spricht größere Unternehmen direkt an. Größere Mengen an Altgeräten holt er mit dem eigenen Lkw beim Kunden ab. Inzwischen hat es sich auch im Ausland herumgesprochen: »In letzter Zeit haben wir beispielsweise Geräte aus Großbritannien, aus den Niederlanden oder aus Rumänien bekommen.«

In Braunlage werden zunächst die Speicher in den gebrauchten Druckern und Kopierern gelöscht, anschließend kommen die Geräte technisch aufgearbeitet und akribisch gereinigt zum Kunden. Was nicht mehr funktioniert, wird fürs Ersatzteil­geschäft auseinandergenommen oder geht direkt zum Recycling beim Großverarbeiter Electro­cycling in Oker.

Der Verkauf wird über drei Online-­Plattformen abgewickelt: über den eigenen Internet-Shop, der zugleich eine Kontaktbörse für potenzielle Kunden ist, sowie über Shops bei eBay und Amazon. Letztere haben noch einen Umsatz­anteil von zwölf Prozent. Diesen Bereich will Holst aber künftig zurückfahren. Zugleich plant er, stärker in den Verkauf neuer Geräte und damit ins lukrative Geschäft mit Wartungsverträgen einzusteigen. Dafür hat er zunächst die Region im Umkreis von 100 Kilometern rund um Braunlage im Blick und einen eigenen Außendienst aufgebaut. Verkauft werden alle gängigen Marken, Schwerpunkt soll aber die Marke Utax von Triumph-­Adler sein, die wiederum zum japanischen Kyocera-­Konzern gehört.

Berufsausbildung in drei Berufen

Fürs neue Jahr plant Holst eine Steigerung des Geräte-Umschlags von 20 Prozent. Leider werde das Wachstum durch Personalmangel gebremst, stellt er fest. Immerhin bildet das Unternehmen inzwischen in drei Berufen selbst aus. »Wir finden aber kaum neue Mitarbeiter oder Auszubildende. Einen Techniker und drei Lageristen könnten wir im Grunde sofort einstellen«, berichtet der Firmenchef. Seine Erfahrungen mit Bewerbern, wenn sie sich überhaupt vorstellten, seien derzeit meist negativ: »Häufig wollen sie gar nicht arbeiten. Und viele Jugend­liche sind nicht arbeitsfähig, weil sie kaum in der Lage sind, geordnete Arbeitsabläufe und Regeln einzuhalten.«

Bild ganz oben: Firmenchef Andreas Holst ist umgeben von Kopierern und Druckern.

geschrieben von  sie