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Unternehmensnachfolge – Unternehmer und Politik sind gefordert Dienstag, 27 März 2018 14:11 Foto: Frank Bierstedt

Unternehmensnachfolge – Unternehmer und Politik sind gefordert

Häufig, wenn ich mit anderen Unternehmern spreche, bekomme ich die Rück­meldung, in welch komfortabler Lage wir sind. Seit fünf Monaten arbeitet sich ­Frederick Wrensch, der Sohn meines Bruders Thomas, in die Geschäftsführung ein, damit er fit für die Übernahme ist, wenn mein Bruder im März nächsten Jahres in den Ruhestand gehen will. Auch meine Tochter möchte in vier bis fünf Jahren mit einsteigen, wenn bei mir der Ruhestand näher rückt. Bei der Buchhandlung Graff ist die Unternehmensnachfolge also in der Familie gut geregelt.

Innerhalb der nächsten zehn Jahre stehen nach Erkenntnissen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) rund eine Million Unternehmen vor der Übergabe – und dabei etwa drei Viertel von ihnen vor existenziellen Hürden. Nach Erfahrungen der Industrie- und Handelskammern (IHKs) begeben sich schon demografisch bedingt immer mehr Alt-Inhaber auf die Suche nach einem Nachfolger, während sich immer weniger Interessenten für eine Betriebsübernahme finden. Immer mehr Unternehmer erreichen das Ruhestandsalter. Gleichzeitig dünnen die Jahrgänge der 25- bis 45-Jährigen aus, denen grundsätzlich die meisten unternehmerisch Interessierten angehören. Daher findet sich selbst bei guter wirtschaftlicher Lage oftmals kein Übernehmer. Schon seit 2014 verzeichnen die IHKs mehr suchende Eigentümer als Übernahmeinteressenten. 2016 haben insgesamt 6654 Alt-Inhaber das Beratungsangebot ihrer IHK genutzt – ein Rekordwert. Knapp 3000 von ihnen fanden keinen passenden Nachfolger – auch das ist ein Höchstwert.

Im aktuellen Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD heißt es zu diesem Thema denkbar vage: »Um die Unternehmensnachfolge zu erleichtern, werden wir Vermittlungsplatt­formen wie die von den Kammern betriebene »nexxt change« unterstützen und weiter ausbauen. Unternehmensnachfolge soll auch künftig durch die Erbschaftsbesteuerung nicht gefährdet werden. Notwendig ist daher eine verfassungsfeste und mittelstandsfreundlich ausgestaltete Erbschafts- und Schenkungsteuer, die einen steuerlichen Ausnahmetatbestand bei Erhalt von Arbeitsplätzen vorsieht.« Etwas greifbarer dürfte es schon sein.

Einerseits preist die Politik den stabilen Mix unterschiedlichster Unternehmen in Deutschland, andererseits geschieht zu wenig, um diese Strukturen auch in der Zukunft zu sichern.

Laut DIHK-Befragung ist der Anteil potenzieller Übernehmer, die aufgrund der Erbschaftssteuer Probleme sehen, deutlich gestiegen. Bei der Umsetzung sind nun die Finanzverwaltungen gefordert, die Übernahmen mittelstandsfreundlich zu ermög­lichen. Ohnehin ist Bürokratieabbau ein wichtiger Ansatzpunkt. Helfen würde etwa, die Aufbewahrungsfristen für Steuerunterlagen von zehn auf fünf Jahre zu verkürzen. Letztlich gilt: Je einfacher ein potenzieller Nachfolger einsteigen kann, desto eher lassen sich auch Kandidaten für die Übernahme finden.

Sie können Joachim Wrensch auch eine E-Mail schreiben: j.wrensch@graff.de

Bild oben: »Je einfacher ein potenzieller Nachfolger einsteigen kann, desto eher lassen sich Kandidaten für die Übernahme finden«, sagt Joachim Wrensch, Geschäftsführer der Buchhandlung Graff GmbH.
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