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Ganz entspannt »auf’m Teich« Freitag, 05 September 2014 00:00 Foto: Peter Pohl/Fam. Knigge

Ganz entspannt »auf’m Teich«

»Helmstedt ist ein kulinarisches Kleinod«, sagt Kerstin Knigge. Wer ihr Restaurant »auf’m Teich« besucht, glaubt das sofort. Hell, freundlich, einladend mit einer Terrasse, die ein schwimmender Ponton ist und sich »Sonnendeck« nennt. Wer hier sitzt, verspürt ein leichtes Bootsgefühl. Das fühlt sich an wie Urlaub. Überhaupt: Das ganze Restaurant hängt, getragen von einer Bodenplatte, auf dem Sternberger Teich. Thomas Knigge: »Wir sitzen hier tatsächlich auf’m Teich.«

Im 19. Jahrhundert kaufte Heinrich Andreas Sternberg den nach ihm benannten Helmstedter See plus Uferstreifen. Noch immer ist der See im Familienbesitz, auf ihm eine Gastronomie, die, bevor Kerstin Knigge neue Pächterin wurde, ein besserer Kiosk war. Seither hat das Lokal einen kompletten Imagewandel durchlebt. Von der Ostsee stammend, sammelte Kerstin Knigge jahrelange Erfahrung in diversen gastronomischen Lokalitäten im Harz. Sie war im Service, aber auch als Restaurantleiterin tätig. »Das steckt einem im Blut oder nicht.« Der gesamte Umbau wurde nach ihren Vorstellungen gestaltet: hell gebeizte Holzverschalung, helle Möbel, komplett neue Thekeneinrichtung und Hochtische im Bistrobereich, die von manchen Gästen geradezu geliebt werden.

Die Speisekarte ist klein und überraschend. ­Thomas Knigge: »Leichte Frischeküche: klassisch, aber modern interpretiert. Hier trifft Tradition auf Innovation.« Man bekommt das original Helmstedter Sauerfleisch nach dem Rezept von Oma Martha Knigge genauso wie auch Jakobsmuscheln im Tacomantel mit Jalapeños, Mangosalsa und Lakritzlikör sowie Mango-Sorbet serviert. Der Mittagstisch besteht aus zwei Gerichten, wobei eines immer vegan ist: Tortilla-Wrap mit Asiagemüse und Leinsamen, gefüllte Zucchini mit gerösteter Hirse, Tomaten, Paprika, Rosmarin und Wildreismischung, italienischer Brotsalat in Tomaten-Rosmarin-Dressing.

»Mittags vegan, abends ein Steak«

Vegetarisch, vegan – Ist es ein Trend? Ist es eine Lebenseinstellung? Sicher ist: Die Zahl der Menschen, die der Lebensmittelindustrie zutiefst misstrauen und die industrielle Massentierhaltung ablehnen, nimmt immer mehr zu. Thomas Knigge: »Über unseren Mittagstisch freuen sich beide, die Veganer und die Vegetarier. So mancher kommt extra deshalb.«

Aber selbstverständlich kommen Fleisch- und Fischliebhaber nicht zu kurz. Neben den Klassikern wie dem Sauerfleisch von Oma Martha und dem eingelegten Brathering »nach dem überlieferten Rezept eines Helmstedter Fischhändlers«, stehen auch zwei kleine Kalbsschnitzel mit frischen Champignons und Kräutern auf der Abendkarte. »Dazu nur ein Klecks Rahm, damit das Fleisch nicht in der Sauce ertrinkt.« Thomas Knigge gibt die Standards vor.

Er gibt an, was gekocht wird, wie gekocht wird und auch wie es angerichtet wird. Ob südamerikanisches Rib-Eye Steak mit Ofenkartoffel, hausgemachter Chilibutter und Sauerrahm, ob Stilkotelett vom Iberico Schwein in Portweinjus mit hausgemachten Nudeln und Gemüse – alle Gerichte sind ein Augenschmaus. »Auch unsere Salate sind optisch und was den Inhalt anbetrifft super; außergewöhnlich und attraktiv.« Wie der Service. Kerstin Knigge: »In dem halben Jahr unseres Bestehens haben sich unsere Mitarbeiter zu einem großartigen Team entwickelt. Darauf können wir richtig stolz sein.«

Jeden Monat richtet das »auf’m Teich« einen Themenabend aus. Motto: gutes Essen, gutes Trinken, Gutes tun. Es wird gespendet. »Immer an eine Helmstedter Einrichtung, von der wir wissen, das das Geld auch ankommt.« Pfingsten spielte die Saratoga Seven Band bei herrlichstem Sonnenwetter. Kredenzt wurde ein Menü von sechs Gängen. Nächstes Jahr ist die Band wieder engagiert.

»Essen gehen soll ein ­Ereignis sein«

Thomas Knigge begann seine Ausbildung im Braunschweiger Atrium Hotel und ist danach »weit und viel herumgekommen«. Unter anderem hat er auch bei Sterne- und Fernsehkoch Alfons Schuhbeck gekocht und die Küchenmeisterschule in Wiesbaden besucht. Danach war er in verschiedenen Betrieben als Koch, Souschef und Küchenchef tätig. Später ging er ins Hotel- und Gaststättenmanagement und war für Unternehmen in allen Größenordnungen tätig. Kerstin Knigge ist Restaurantfachfrau. Die große Berufserfahrung der Eheleute führte zur Gründung der »Caupona GmbH«: »Caupona«, lateinisch für Wirtshaus, die gastronomische Einrichtungen »berät – betreut und (nun auch) betreibt«, die Konzepte für Modernisierung entwickelt und diese auch betriebswirtschaftlich plant und umsetzt. Investieren, modernisieren, guter Gastgeber und dennoch wirtschaftlich sein, sind keine Gegenstätze.« »Essen zu gehen, heißt heute ja nicht nur Nahrungsaufnahme. Die Gäste verbinden damit das Ambiente, die Atmos-phäre muss stimmen, es soll ein Ereignis sein. Man will sich richtig rundum wohlfühlen.«

Kerstin Knigge ist Geschäftsführerin, ihr Mann, der beruflich in Wolfsburg tätig ist, unterstützt sie nach Kräften. Thomas Knigge: »Tradition wahren heißt: Das Feuer am Leben erhalten, nicht die Asche anbeten.« Kerstin Knigge: »Der Tradition sind wir ja auch verschrieben. Aber wir müssen und wollen mit der Zeit gehen.«

Bild ganz oben: Kerstin und Thomas Knigge in ihrem Helmstedter Restaurant – rundum modern.

geschrieben von  maru