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Please save the nature Mittwoch, 14 März 2018 08:56 Foto: Jörg Scheibe

Please save the nature

Fleisch oder kein Fleisch? Metzger oder Kühlregal? Bio? Vegetarisch mit Fisch, vegetarisch ohne Fisch? Vegan? In einer Zeit des Überflusses, in der wir alles bekommen, was unser Herz begehrt, haben wir die Wahl. Monika Szpiech hat gewählt. Sie verfolgt mit BellyButtonFood ein Konzept mit ökologischer Ausrichtung: regional, saisonal, vollwert, bio und vegan: Please save the nature.



BellyButtonFood hat sich komplett von der Lebensmittelindustrie gelöst und arbeitet ausschließlich mit den Landwirten aus der Region zusammen und so ist denn auch das Bio von BellyButtonFood nicht das Bio, das in jedem Supermarkt im Regal steht. »Die Jahreszeiten geben alles vor«, erklärt Monika Szpiech, die selbst von einem Bauernhof stammt, »was der Acker hergibt, wird verarbeitet. Was man lagern kann, wird gelagert.«

Eine neue Philosophie ist das nicht. Die Produkte sind die, die seit Hunderten von Jahren auf deutschen Äckern gedeihen und die, egal welche Ernährungsmode gerade »in« ist, bei gesundheitsbewussten Menschen ihren guten Ruf nie verloren haben: Möhren, Steckrüben, Kartoffeln, Lauch und Rote Bete. Ja, das ist richtig gesund. Und es schmeckt auch richtig gut. Gemüse, das auf heimischen Äckern wächst, verarbeitet zu Suppen, Salaten und Most, darauf ist BellyButtonFood spezialisiert.

Das kunterbunte Menü für den Vitaminhunger

Hier eine Auswahl: Kürbis-Kartoffel-Lauchcremesuppe mit gerösteten Sonnenblumenkernen, Sellerie-Apfel-Möhren-Kartoffel-Leinsamen-Cremesuppe, Gemüsesuppe der Region mit Steckrüben, Pastinaken, Schwarzem Rettich, Möhren, Sellerie, Kartoffeln, Rote Bete, Blumenkohl und Lauch, Möhren, Chia-Samen, Ingwer und Kurkuma. Die Produkte entsprechen den Erzeugnissen des heimischen Bodens, die Würzung entspricht der Globalisierung, die kreative Zubereitung der heutigen Zeit.

Der Renner im BellyButtonFood ist das kunter­bunte Menü für den Vitaminhunger: Man sucht sich eine der vier Tagessuppen aus und von der Salatbar ein Schälchen Salat, das man sich selbst zusammenstellt etwa mit Sellerie, Möhre, Rote Bete, Gelbe Bete (bisher noch zu wenig bekannt), Spitzkohl und gerösteten Sonnen­blumenkernen. Das Brot stammt vom ­Biobäcker. Als Getränk dazu gereicht wird ein super leckerer Rote-Bete-Most gemischt mit Apfelsaft von Streuobstwiesen. Monika Szpiech stellt klar: »Wir sind Ökos. Wir sind die, die über den Tellerrand hinausschauen. Wir kennen unsere Erzeuger, wir wissen wie die arbeiten und was sie wie produzieren.« Nachmittags Kaffeeklatsch mit Kuchen (vegan, wahlweise mit Getreidekaffee) und als Empfehlung gegen die Kälte Bratapfelpunsch mit Sultaninen und Zimt, nach Wunsch auch mit Amaretto, oder heißer Rote-Bete- und Orangen-Kardamom-Saft mit Zimt.

Das Bistro liegt ein wenig versteckt im Innenhof der Braunschweiger Dompassage, die über längere Zeit großen Leerstand verbuchen musste. Vor einem Jahr kaufte sie ein Investor, der eine glückliche Hand bei der Anwerbung von Mietern hat. In einer virtuellen Lounge kann man mit VR-Brillen auf Reisen gehen, es gibt Schulungsräume und ein Tattoo-Studio, Künstler haben Räume bezogen. Im Ganzen soll ein Kulturkomplex entstehen für Leute mit frischen Ideen und alternativem Hintergrund. Wozu das BellyButtonFood mit seinem Konzept und individuellem 50er-Jahre-Charme ideal passt.

Ein ökologisches ­Konzept, konsequent zu Ende gedacht

Das Mobiliar geht in erster Linie auf Geschenke zurück. Es sind Tische, Stühle und Sessel aus Nachlässen, Dinge, die die Erben weder wegwerfen noch auf dem Speicher stehen lassen wollten. Monika Szpiech: »Dann kommen die Schmuckstücke zu uns.« Vor einem Jahr wurde das BellyButtonFood um einen großen Raum erweitert und kann nun auch für Gruppen genutzt werden: »Wir nennen es das Klassenzimmer«, denn die Tische und Stühle stammen vom Gymnasium Kleine Burg. Überhaupt: Neue Sachen werden nicht gekauft, vieles wird selbst aufgearbeitet. Die Kissenbezüge, ob rund, ob eckig, ob gehäkelt, ob gestrickt, sind aus alten Pullovern gearbeitet oder es wurde Wolle genommen, die übrig geblieben war. Man verarbeitet eben das, was man hat und auch nur so viel, wie auch verbraucht wird. Es soll nichts weggeworfen werden. Es gibt im BellyButtonFood keinerlei vorgefertigte Produkte, keine Plastikverpackungen. Wenn Verpackungen, dann aus nicht genmanipulierter Maisstärke.

Das ist ein konsequent durchdachtes Konzept. Monika Szpiech würde gern einige Schritte weitergehen, beispielsweise selber Strom produzieren, die Beleuchtung aus Solarenergie oder einer anderen erneuerbaren Energiequelle beziehen. Noch allerdings sind die Anschlüsse nicht verfügbar. BellyButtonFood ist auch involviert in soziale und kulturelle Projekte. »Wir machen das und reden nicht groß darüber.« Das Bistro selbst gilt als Geheimtipp, was Monika Szpiech verwundert. In Braunschweig ist das Bistro nicht so bekannt, dafür kommen etliche Gäste aus dem Ausland. »Anscheinend sind wir im Internet ausgewiesen als ein Ort, an dem man in Braunschweig unbedingt gewesen sein sollte.« Aber auch ohne Besucher aus Spanien und New York – der Laden läuft: »Es wird immer besser. Wir fühlen uns hier pudelwohl.«
www.bellybuttonfood.de

Bild oben: Monika Szpiech (links) und ihre Tochter sowie ­Mitarbeiterin Anna Wärmer (Mitte) im BellyButtonFood, das den Charme der 50er-Jahre versprüht.
geschrieben von  maru