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Die Schillstraße ist auch durch uns bekannt geworden Mittwoch, 08 November 2017 15:40 Foto: Jörg Scheibe

Die Schillstraße ist auch durch uns bekannt geworden

Fisch, frisches Gemüse, Lammfleisch und aromatischer Schafskäse gehören zur griechischen Küche wie die Sonne und das Mittelmeer. Doch was man in Griechenland auf den Teller bekommt und was man in Deutschland in einem griechischen Restaurant isst, kann durchaus sehr unterschiedlich sein. »Das sind andere Esskulturen«, bestätigt Louiza Orfanos, die in ihrem Restaurant Mykenes ihren eigenen griechischen Stil kreiert hat: »Ich habe meine Phantasie spielen lassen, meinen Geschmack dazu gegeben und das Ergebnis ist bei unseren Gästen sehr gut angekommen.« In der Tat genießt das Braunschweiger Lokal, das innenstadtnah an einer eher ruhigen Straße liegt, einen ganz ausgezeichneten Ruf. Ihr Mann Ali ist ein bisschen stolz: »Die Schillstraße ist auch durch uns bekannt geworden.«

Louiza Orfanos wurde in Athen geboren, kam als Kind mit der Familie nach Braunschweig und arbeitete schon als Vierzehnjährige im Restaurant ihres Vaters am Hagenmarkt. Dann wanderte die Familie ein zweites Mal aus. Der Grund: Sie und ihre Schwester wollten französisch lernen. Also verkaufte der Vater das Dionysos, zog nach Belgien und eröffnete auch dort ein griechisches Restaurant. Da war Louiza siebzehn. Doch zwei Jahre Belgien waren genug. Sie wollte weg: »Ich hatte dort keine Freunde.« Zurück in Braunschweig suchte die Familie nach geeigneten Lokalitäten und fand sie in der Schillstraße. Umbauten und Renovierungen folgten, und da Orfanos auch nach zwei Jahren Abwesenheit noch immer ein bekannter Name in der gastronomischen Landschaft war, kamen die alten Gäste zurück. Noch heute arbeitet das Mykenes hauptsächlich mit Stammpublikum – oft im Rahmen von anlassbezogenen Feiern, ganz egal ob Taufe, Konfirmation, Hochzeit oder Geburtstag.

Man muss ein aufmerk­samer Gastgeber sein

Ali Orfanos war technischer Bauzeichner, aber schon in der Türkei im Zweitberuf in der Gastronomie tätig. In Deutschland arbeitete er in einem türkischen Restaurant in Hannover, bis er seine Frau kennen lernte und nach Braunschweig zog. Als Profi im Service weiß er, dass man ein aufmerksamer Gastgeber sein muss: »Man begleitet den Gast vom Eintreten bis zum Hinausgehen. Auch wenn das im Schnellimbiss oder in einer Kneipe anders sein mag.« Gute Mitarbeiter zu bekommen, die sich auf die langen Arbeitszeiten auch an Wochenenden und Feiertagen einstellen, gestaltet sich schwierig. Louiza Orfanos hat daher Personal aus Griechenland geholt. Vor vier Jahren kam eine Küchenkraft aus Kreta ins Mykenes. Ein Glücksgriff, freut sich Louiza Orfanos, denn mittlerweile ist der Mann von der Insel ihre rechte Hand.

Großzügig und übersichtlich zugleich mit einer geschickten Raumaufteilung, einer offenen Küche und wohltuender Abwesenheit von Schnickschnack, bietet das Mykenes Platz für mehr als 200 Personen plus 100 Außenplätze. Ein Vierzehn- bis Fünfzehnstundentag ist normal, und mehr als zwei Wochen Urlaub liegen nicht drin. Doch selbst dann denkt Louiza ­Orfanos noch oft an ihre Küche: »Meine Hintergedanken sind immer: Schmeckt es? Wie kommt das Essen raus?«

Sorgen machen muss sie sich freilich nicht. Verfolgt man die Restaurantkritiken im Internet, werden alle Gerichte als ausgesprochen schmackhaft bewertet. Ob Suflaki, Bifteki, Gyros oder Lammfilet, die Speisekarte ist von A bis Z Louiza Orfanos‘ Kreation. Gerade die täglich wechselnden Vorspeisen sind ihr wichtig, die Olivencreme, die Paprika-Schafskäsecreme. »Alles was mit Schafskäse zubereitet wird, esse ich selbst sehr gern. Außerdem gehören gebratener Spitzpaprika und auch gebratener Oktopus zu meinen Lieblings­gerichten«, sagt die Restaurant-Chefin. Einige Spezialitäten stehen übrigens nicht auf der Karte. Diese werden den Gästen dann im Gespräch empfohlen. Hauptspeiseempfehlungen können zum Beispiel Lammrücken, Lammcarrée und Hüftsteak sein.

Lammpfännchen mit Metaxa, Gyros mit Cassis

Louiza Orfanos verfeinert ihre Gerichte gern mit Metaxa oder Cassis wie das Lammfiletpfännchen in Metaxasauce, Gemüse mit Sauce Hollandaise, Rosmarinkartoffeln und Salat. Oder das Gyrospfännchen in Cassisrahmsauce und frischen Champignons. Die Gerichte sind herzhaft, mal pikant mit Chilisauce, mal abgerundet mit Crème fraîche. Das gegrillte Doradenfilet wird mit Tomate, Reis und Gemüse gereicht, die Scampi mit pikanter Buttersauce. »Ich verwende nur gute Butter. Das ist meine Welt.« Die Kalamari sind in der Pfanne gebraten. Wird Tintenfisch nicht leicht zäh? Louiza Orfanos lächelt: »Ich werde häufig gefragt, wie ich meine Speisen zubereite, aber ich verrate das keinem!«

Die Portionen im Mykenes sind üppig. Die Lammplatte für zwei Personen besteht aus zwei Suflaki vom Lamm, zwei Lammkoteletts, vier Lammfilets und als Beilagen Prinzess­bohnen, Pommes frites, Reis und Salat. Bestellt der Fleischliebhaber die Spezialitätenplatte für vier Personen, ist die Vielfalt noch reicher: vier Lammkoteletts, vier Hähnchenbrustfiletspieße, vier Schweinefilets, vier Hühnerbrustfilets, vier Bifteki mit Käse gefüllt, vier Scheiben Leber, Gyros, Pommes frites, Reis und Salat. Aller Quantität zum Trotz: die Qualität behält Louiza Orfanos stets im Blick: »Aus meiner Küche geht nichts raus, was ich nicht selbst abgeschmeckt habe. Und wenn ich nicht da bin, geht meine Mutter in die Küche und schmeckt ab.«

www.restaurant-mykenes.de

Bild ganz oben: Louiza und Ali Orfanos mit ihrem Sohn Jiyan Niko. 2018 feiert das Mykenes sein 30-jähriges Jubiläum.

geschrieben von  maru