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Unterwegs in ganz Europa Freitag, 10 November 2017 08:59 Foto: André Pause

Unterwegs in ganz Europa

In unserer schnelllebigen Zeit ist das eine Erfolgsgeschichte: Seit 169 Jahren gibt es die ­Spedition Fritz Bente in Peine. Das mittelständische Familienunternehmen hat alle Wirtschaftskrisen und Kriege überstanden, hat geschäftliche Höhen und Tiefen erlebt und behauptet sich heute erfolgreich im knallharten Wettbewerb der Logistikbranche. Fritz-Jürgen Bente (79) und Karsten Bente (44) führen das Unternehmen in der fünften beziehungsweise sechsen Generation. Ob es ein Erfolgsrezept für diese Beständigkeit gibt, fragen wir die beiden. Der Senior-Chef antwortet kurz und knapp: »Wir haben immer für eine Kontinuität in der Nachfolge gesorgt. Der Vater hat jeweils den ältesten Sohn schon früh ins Unternehmen geholt, damit der sich umfassend einarbeiten konnte.«

Karsten Bente kam mit 24 Jahren ins Unternehmen. Zuvor hatte er eine Ausbildung bei einer Spedition in Hannover gemacht (bei der schon der Vater einst gelernt hatte), sich dann bei Unternehmen in Dortmund und Berlin umgesehen. 1997 fing er in Peine an und wurde 2011 Mit-Geschäftsführer. Eine siebte Generation gibt es bereits, steckt aber noch in den Kinderschuhen. Karsten Bente hat zwei kleine Töchter.

Die Firmenchronik als ­Spiegel der deutschen ­Verkehrsgeschichte

Bente ist sicher eines der ältesten Unternehmen in der Region. Die Firmenchronik spiegelt zwei Jahrhunderte deutsche Verkehrsgeschichte wider. Es begann 1848 in Peine mit zwei Pferden und einem Planwagen sowie zwei Briefkästen zum Sammeln von Aufträgen. Damals gab es noch keine Autos, die Dampfloks kamen gerade ins Schnaufen. Später war Bente 90 Jahre lang offizieller Bahn-Spediteur, der für die Bahn Güter im Raum Peine verteilte. »Wir waren eine der ältesten Bahn-Speditionen in Deutschland«, erinnert sich Fritz-Jürgen Bente. Heute transportiert das Unternehmen Güter aller Art, ein Schwerpunkt sind Spezial- und Großraumtransporte.

In Peine gibt es übrigens noch eine zweite ­Bente-Spedition: Bente jun. Die wurde 1952 von einem Onkel des Senior-Chefs gegründet. Man sehe sich nicht als Konkurrenten, so Karsten Bente, weil man in unterschiedlichen Marktsegmenten unterwegs sei. Auch optisch unterscheiden sich die beiden Unternehmen: »Wir sind die blauen Bentes, weil unsere Fahrzeuge blau lackiert sind.« Die anderen sind die Grünen.

Tag und Nacht im Einsatz

»Wir wollen auch künftig eigenständig bleiben«, betont Karsten Bente. Derzeit liefen die Geschäfte als Folge der stabil starken Konjunktur gut. Für die kommenden Jahre sei er daher optimistisch. Wie kann ein Mittelständler heute gegen den starken Konkurrenzdruck der Branchen-Riesen und der ausländischen Billig-­Konkurrenz bestehen? Karsten Bente: »Viele Kunden setzen bewusst auf mittelständische Speditionen, weil sie – was Termine betrifft – zuverlässig, flexibel und ehrlich mit Informationen sind.« Der Vater fügt hinzu: »Wir sind Tag und Nacht im Einsatz. Und wir haben einen persönlichen Kontakt zu unseren Kunden.«

Fritz-Jürgen Bente arbeitet seit fast 60 Jahren im Betrieb. Deshalb macht ihm mit seinem reichen Erfahrungsschatz so leicht keiner etwas vor in der Branche. Er steht seinem Sohn heute eher beratend zur Seite, kommt täglich noch einige Stunden ins Büro, betreut vor allem die Stammkunden und akquiriert neue. »Aus dem Tagesgeschäft halte ich mich weitgehend raus, das ist mir inzwischen doch zu hektisch«, meint er ruhig und gelassen. Die Ruhe des Vaters selbst in Stress-Situationen hat sein Sohn schon früh schätzen gelernt. Er lobt außerdem dessen Verhandlungsgeschick, wenn es um Termine und Preise ging, und seinen partnerschaftlichen Umgang mit den Mitarbeitern. Und umgekehrt? Der Vater meint, dass der Junior viel Stärke und Übersicht in der Disposition zeige. Da braucht es Flexibilität, Entscheidungsfreude und viel Geschick, um die Fahrzeugflotte am Laufen zu halten – indem die Lkws (auch bei Rückfahrten) möglichst voll ausgelastet sind, gesetzliche Vorgaben etwa zu Lenk- und Ruhezeiten eingehalten und Termine trotz aller Staus auf den Autobahnen möglichst erfüllt werden. Um die Lkws vor allem für Rückfahren voll zu bekommen, kooperiere man mit anderen Speditionen, tausche beispielsweise Aufträge, erzählt Karsten Bente.

 

Fritz Bente GmbH

 
Dienstleistung: Spedition mit Schwerpunkt Spezial- und Großraumtransporte
Fuhrpark: 22 Fahrzeuge und 35 Auflieger
Mitarbeiter: 35
Umsatz: 3,5 Millionen Euro
Geschäftsführung: Fritz-Jürgen Bente (79) und Karsten Bente (44)
Internet: www.fritz-bente.de


 

Beide Bentes haben übrigens keinen Führerschein für Lkws. Im Speditionsgeschäft nicht ungewöhnlich. Vater und Sohn sind in erster Linie Kaufleute. Der Senior meint dazu: »Einen Lkw bin ich bisher nur auf dem Firmenhof oder auf einem Testgelände gefahren, neulich sogar einen der großen neuen Gigaliner.«

Spezialtransporte bilden einen Schwerpunkt

»Wir selbst haben mittlerweile eine Flotte von 22 Fahrzeugen, meist Sattelzugmaschinen, und 35 Auflieger«, fasst Karsten Bente zusammen. Dabei setzen die Bentes seit 65 Jahren ausschließlich auf den heimischen Hersteller MAN. »Wir sind der zweitälteste Speditions-Kunde von MAN in Niedersachsen«, erzählt der Senior-Chef. Heute fährt das Unternehmen Güter aller Art – von Bauteilen für die Auto- und Bahnindustrie über Maschinen oder Lebensmittel bis zu Kabeltrommeln und Schnittholz. Ein Schwerpunkt des Geschäfts sind Spezialtransporte für Güter, die zu breit, zu hoch, zu lang oder zu sperrig sind. Karsten Bente: »Für den Transport besonders langer Teile beispielsweise aus Stahl oder Beton haben wir Auflieger, die wir um acht auf 21 Meter verlängern können.« Auch große Teile für Windkraftanlagen werden damit transportiert. Zum Service gehört auch die Einholung der Transportgenehmigung für solche Spezialtransporte sowie die Bereitstellung von Begleitfahrzeugen.

Der Standort Peine ist gut

Die Bente-Kunden kommen vor allem aus unserer Region. Rund 30 feste Stammkunden bilden die Basis des Geschäfts. Fritz-Jürgen Bente: »Deshalb ist der Standort Peine für uns gut. Er liegt mitten in der Region, zwischen Braunschweig und Hannover, zwischen Celle und dem Harz.« Unterwegs ist die Bente-Flotte freilich in ganz Europa: vor allem in den Nachbarländern, die Touren gehen aber auch bis nach Spanien oder Portugal. Dabei werden die Fahrer möglichst nach Wünschen und Interessen eingesetzt. »Es gibt Fahrer, die lieber lange Strecken im Fernverkehr fahren, und andere, die lieber abends wieder zu Hause sein wollen«, skizziert Karsten Bente.

Insgesamt beschäftigt das Unternehmen derzeit 35 Mitarbeiter, davon 28 Kraftfahrer. Ein großes Problem der Logistikbranche ist der Nachwuchsmangel, meinen die beiden Firmen-Chefs. Es sei schwierig, Fahrer zu bekommen. Das liege vor allem am negativen Image des Berufes – da ist nicht mehr viel von der einstigen Romantik des »Kapitäns der Landstraße« übrig geblieben, meint Karsten Bente und nennt einige Gründe: »Es ist heute ein harter Job – mit ungünstigen Arbeitszeiten, mit viel Zeitdruck und mit vielen nervigen Staus unterwegs und häufig längeren Wartezeiten beim Be- und Entladen.« Vor allem die Staus auf deutschen Autobahnen machen der Speditionsbranche immer mehr zu schaffen, berichtet der Geschäftsführer. »Sorge bereiten uns auch die starken Schwankungen der Dieselpreise, die die Kalkulation erschweren, und die Diebstähle auf Parkplätzen – weniger bei den Transportgütern als beim Sprit.«

Die Herausforderungen in der Branche

Was erhofft sich ein gestandener Spediteur von der Politik, um die Probleme der Branche zu lösen? Vor allem gehe es darum, da sind sich die beiden Bentes einig, mehr in den Straßen- und Brückenbau zu investieren. Fritz-Jürgen Bente: »Inzwischen werden in Deutschland die ersten Brücken für schwerere Lkw gesperrt, weil sie baufällig sind.« Außerdem müssten unbedingt die Bauzeiten durch ein besseres Baumanagement beschleunigt werden. An zu vielen Baustellen werde oft zu wenig und damit zu lange gearbeitet. Solche Verkehrsbehinderungen seien eigentlich nicht nötig.

Ein weiteres großes Thema in der Branche ist der Umweltschutz und die Abgas-Emissionen von Nutzfahrzeugen. Wie kann der einzelne Spediteur einen Beitrag zur Reduzierung der Emissionen leisten? »Indem er abgas­ärmere Lkw anschafft und einsetzt«, antwortet ­Karsten Bente. Die Bente-Flotte wird zurzeit von Euro-5 auf die neuere Euro-6-Norm umgestellt, was erhebliche Investitionen bedeute. Zugleich könne man Emissionen durch technische Veränderungen am Lkw, etwa beim Reifendruck oder beim aerodynamischen Spoiler, reduzieren. Außerdem stehen bei Bente ab und an Fahrtrainings (Eco-Training) an, die die Kraftfahrer zum umweltbewussten Fahren sensibilisieren sollen.

Bild ganz oben: Senior Fritz-Jürgen und Karsten Bente führen das mittelständische Speditionsunternehmen Fritz Bente GmbH in der fünften und sechsten Generation.

geschrieben von  sie