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Bolzplatz trifft virtuellen Fußball Dienstag, 07 November 2017 11:09 Foto: oh

Bolzplatz trifft virtuellen Fußball

Seit etwa vier Jahren ist der Hannoveraner Andreas Kunze dabei, das – folgt man seinen Aus­führungen – erste und einzige visuelle Fußballnetzwerk weltweit auf die Beine zu stellen. Angeschoben durch die Allianz für die Region und die Braunschweig Zukunft GmbH sowie später einer Förderung durch die NBank, soll noch im Herbst dieses Jahres die Gründungsphase des Fußballmanager-Browsergame Onlineliga.de starten.

Sechs feste Mitarbeiter, darunter einen Auszubildenden zum Mediengestalter, hat Kunze im Rollei-Zentrum für Existenzgründer angesiedelten Büro um sich geschart. Fünf Freelancer arbeiten darüber hinaus punktuell zu. Ein Schnellschuss, soviel steht fest, ist Onlineliga.de also schon mal nicht. Rund 600 000 Euro hat das Projekt im Laufe der Jahre bereits gekostet, rechnet Kunze, Gründer und Geschäftsführer des organisierenden Start-ups Online Football Association (OFA), vor. Der Braunschweiger Politikwissenschaftler Dr. Gerald Fricke, seit April als Chief Customer Officer mit an Bord, erklärt, warum gut Ding in diesem Fall wirklich Weile haben will: »Die Anforderungen der Nutzer haben sich in den letzten Jahren erhöht. Zum Beispiel ist es wahnsinnig wichtig, dass sich die Nutzer direkt austauschen können. Was dazu geführt hat, dass wir unser eigenes Messaging-­System eingebaut haben. Ein kritischer Erfolgsfaktor ist außerdem, dass das Spiel von Anfang an auf allen Endgeräten funktioniert. Wir können es uns schlicht nicht leisten, erst mal eine schöne Version für den großen Bildschirm zu bauen und in Phase zwei kommt das Spiel auf dem Smartphone an. Dann wären die Leute alle schon weg«, ist der Kommunika­tionsspezialist überzeugt.

Messen mit den Großen

Auch mit Blick auf Virtual- respektive Augmented Reality habe es in den vergangenen Jahren zu große Entwicklungssprünge gegeben, als dass diese ignoriert werden könnten, betonen die Macher von Onlineliga.de. Hier qualitativ auf Augenhöhe mit den Großen der Branche zu agieren, sei zwar zeitaufwendig, aber essenziell. »Letztlich werden wir mit den Großen wie EA Sports gemessen. Die Leute sagen ja nicht: Dafür, dass das jetzt ein Start-up gemacht hat, sieht es ja ganz gut aus, und deshalb melde ich mich mal an. Die User vergleichen uns mit allem, was sie kennen. Und da müssen wir eben so gut sein, dass sie sich anmelden und später auch unsere Premium-Dienste dazubuchen«, macht Fricke klar.

Aufwendige Konzeption

Einiges ist seit dem Start im Jahr 2013 über das Spiel selbst und auch über die Gründung des Hannoveraners in Braunschweig geschrieben worden. Nicht immer hat das zum besseren Verständnis des Browsergames an sich beigetragen. Um was geht es also? Onlineliga.de möchte das weltweit einzige und erste Spiel sein, das den virtuellen Fußball tatsächlich mit der echten Welt verknüpft: vom Bolzplatz bis zur Arena für 90 000 Zuschauer in der Ersten Liga. Beim Flug über Deutschland – allein die Entwicklung der aufwendig gestalteten interaktiven 3-D-Landkarte hat enorme Ressourcen gebunden – sehen die Spieler nicht nur alle Stadien in allen Orten, sondern auch ihre sozialen Vernetzungen mit ihren Freunden, Nachbarn und Gegnern.

Das Prinzip Derby

»Jeder Spieler startet als Trainer und Manager in Personalunion ganz unten, in der 6. Liga seiner Gemeinde, also mit und gegen andere Mitstreiter aus dem gleichen Ort, dem gleichen Stadtteil. Es geht gegen die Nachbarn, den Bekannten aus der nächsten Straße, gegen gute Freunde und diejenigen, die man nicht so mag. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie kommen aus dem direkten Umfeld, aus dem eigenen Kiez. Das bedeutet, dass jeder Tag Derby-Tag ist«, skizziert Andreas Kunze. Weitere Besonderheiten: Es gibt ein integriertes Magazin, ein regionales Ligensystem, Rankings und Städtekämpfe und einen Transfermarkt, bei dem der Nutzer seinem Gegner auch mal einen Spieler aus dem Vertrag herauskaufen kann.

Dramen und große Gefühle

Bei der Anmeldung mit der jeweiligen Postleitzahl bekommt der Teilnehmer 20 Spieler zugewiesen. Diese gilt es, anhand der festgelegten Hard- und Soft-Skills zu einem Team zu formen. »Es geht um kleine Dramen und große Gefühle, um Sieges­serien, Transfers, Abstiege, Aufstiege, Torjäger mit Torflaute, Verletzungen, Meisterschaften, Kantersiege und alles, was auch den echten Fußball ausmacht. Dafür haben wir eine eigene digitale Redaktion. So bleibt ein Team immer sichtbar und im Gespräch«, erklärt der Gründer.

So schnell wie möglich, avisiert ist das Frühjahr 2018, soll die kritische Masse an Teilnehmern erreicht werden. Die Macher beziffern diese mit etwa 30 000 Personen. »Allerdings ist das Spiel skalierbar. Von zwei Spielern bis zu 20 Millio­nen Bundestrainern ist alles möglich«, sagt Gerald Fricke und lädt alle Fußballfans schon jetzt zur Registrierung als Gründungsmitglied mit knackigem Teamnamen ein. Starten soll Onlineliga.de dann ab Januar.

Einnahmen durch Werbung

Da das Spiel für die Nutzer in allen Grundfunktionen kostenfrei ist und bleiben wird, drängt sich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit des Unterfangens Onlineliga.de geradezu auf. Neben den Premium-Accounts, mit denen sich das Spiel schöner gestalten lässt, aber keine Spielvorteile erkauft werden können, soll als zweite ungleich größere Säule an Einnahmequellen die Werbung von Kooperationspartnern entstehen. »Für Unternehmen ist es unter anderem möglich, eine Liga zu präsentieren oder einen Stadionnamen für einen Zeitraum zu kaufen. Außerdem können sie auf der 3-D-Karte berücksichtigt werden. Denkbar ist zum Beispiel, dass dort ein Bringdienst eingeblendet wird, bei dem man während des Spiels online gleich noch etwas zu Essen bestellen kann«, erklärt Gerald Fricke. Das Generieren von spektakulären Inhalten für die sozialen Medien und den eigenen Internetauftritt sei eine weitere Möglichkeit für Firmen, durch das Spiel zu profitieren. »Wir bieten digitale Dienste an, die den Nutzer in bestimmten Situationen unterstützen. Und gute Geschichten! Auch für Entscheidungsträger im Mittelstand, die sagen, wir möchten endlich auch mal Storytelling machen.« Die Onlineliga.de, so Fricke, baue via Sponsoring- und Unternehmenskooperationen eine Brücke zur erfolgreichen virtuellen Vernetzung, die technologisch und kulturell auf der Höhe der Zeit ist. Derzeit befinde man sich in aussichtsreichen Verhandlungen mit verschiedenen Vertretern aus der Wirtschaft. Für weitere strategische Partner, die partizipieren und Fußballgeschichte schreiben möchten, sei man auch künftig »sehr offen«.

Bild ganz oben: Das Team der Online Football ­Association ­fiebert dem Start seines Browsergames ­Onlineliga.de entgegen.

geschrieben von  pau