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Warum wir noch heute mit dem Bouldern beginnen sollten Mittwoch, 06 Dezember 2017 11:29 Foto: André Pause

Warum wir noch heute mit dem Bouldern beginnen sollten

»Früher war Klettern ja durchaus assoziiert mit rauschebärtigen Typen, die einen Knall haben«, schmunzelt Martin Bernhardt, der selbst sehr spät über den Alpenverein zu seinem Sport gefunden hat, dann aber lange Zeit selbstständig als Kletter-Trainer gearbeitet und vor gut vier Jahren das »Greifhaus« an der Hamburger Straße eröffnet hat. Seit geraumer Zeit entwickelt sich das Bouldern – also das Klettern ohne Seil und Gurt an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden in Absprunghöhe – zum echten Breitensport. Bernhardt hat den Trend erkannt. Im Greifhaus tummeln sich täglich bis zu 250 Personen, vom Kleinkind bis zum Rentner. Betreut werden die Besucher von mittlerweile 25 Mitarbeitern, darunter vier Festangestellten. Obwohl das Publikum immer bunter werde: »Ein bisschen Akademiker-lastig ist der Sport noch immer«, findet Bernhardt. Sei das Bouldern früher ein eher von Sozialpädagogen dominierter Sport gewesen, versichert er augenzwinkernd, befänden sich heute zumindest in seinem Stamm­publikum auffällig viele Ingenieure und TU-Studenten (»also angehende Ingenieure«). Erst kürzlich wurde ein zweiter Boulder­bereich eingeweiht, was vor allem in den Abendstunden Entlastung an den Wänden bringt. Mehr Platz und (wirklich guter) Kaffee allein lassen im Braunschweiger Norden sicher niemanden in die hautengen Kletterschuhe schlüpfen. Daher haben wir den drahtigen Greifhaus-Geschäftsführer nach Gründen befragt, warum wir noch heute mit dem Bouldern beginnen sollten.

 

1
Beim Bouldern ist man flexibel
Man kann allein, zu zweit oder auch in der Gruppe Bouldern. Allein lässt es sich am besten abschalten, mit einem Kletterpartner oder in der Gruppe kann sich der Einzelne vielleicht noch eine Nuance besser motivieren. Die gegenseitige Unterstützung ist mitunter ganz hilfreich. Ein Kletterpartner ist also kein Muss, weshalb der Sport sehr flexibel betrieben werden kann. Bouldern ist für jeden »schnell erreichbar«, das passt gut ins heutige Gesellschaftsprofil. Man benötigt keine Erfahrung, muss noch nicht einmal sportlich sein und man kann den Sport mal eben für eine Stunde in der Mittagspause oder auch für zwei Stunden am Abend machen, weil kein umfangreiches Equipment benötigt wird.

 

2
Bouldern macht fit
Auch wenn sich der Sport ohne Erfahrung ausüben lässt: er macht sportlich. Er spricht trainingstechnisch alle Körperteile an. Wenn man Muskeln hat, werden diese austrainiert. Wenn man keine hat, findet ein Muskelaufbau statt. Zudem fördert Bouldern die Koordination, weil man mit den Händen und den Füßen unterschiedliche Sachen machen muss. Die Kopf­arbeit spielt auch eine große Rolle, wenn es darum geht, den Körper möglichst effektiv zu bewegen und Lösungen für Probleme zu finden. Es gibt immer wieder Strecken, wo ich vorher nicht sofort weiß, wie ich sie bewältigen kann. Eine Lösung gibt es allerdings immer, egal welchen Schwierigkeitsgrad die Strecke hat. Wenn man dranbleibt und die Bewegungs­möglichkeiten nutzt, die man hat, wird man immer einen Weg finden, oben anzukommen. Und mit jedem Erfolgserlebnis werden die mentalen Fähigkeiten gestärkt.

 

3
Jeder findet sein Level
Wir haben Routen in fünf verschiedenen Schwierigkeitsgraden: Weiß ist die leichteste Farbe, Gelb und Pink sind etwas kniffliger, die nächste Stufe markieren Grün und Lila, Orange und Blau sind noch etwas anspruchsvoller und die schwerste Stufe ist Rot. Es zwingt einen niemand dazu, ultraschwer zu klettern. Jeder kann um fit zu bleiben auf seinem Level trainieren. Ein Trainingseffekt zeigt sich eigentlich schon, wenn man einmal in der Woche Bouldern geht. Jeder findet hier seinen Schwierigkeitsgrad, in dem er klettern und sich dann selbstständig steigern kann. Das schafft Erfolgserlebnisse. Übrigens: Auch schwere Leute und sogar bewegungseingeschränkte Menschen mit leichten Handicaps können Bouldern. Es gibt einen Kraft-Gewichtsausgleich, weshalb auch weniger Sportliche auf Grundlage ihres Gewichts die nötige Kraft entwickeln, um sich nach oben zu bewegen.

 

4
Bouldern macht Spaß
Der wesentlichste Aspekt beim Bouldern aber ist: es macht einfach total viel Spaß. Es ist ein Fitnesstraining, bei dem ich nicht zehnmal hintereinander das Gleiche mache, sondern ein umfangreiches Spektrum an Bewegungen habe. Es ist also abwechslungsreich. Außerdem ist es ein Sport, wo man gerne sieht und gesehen wird. Man kommt sehr schnell mit anderen in Kontakt. Dabei ist es völlig egal, ob man leicht oder schwer klettert. Man steht praktisch nebeneinander, weil es verschiedene Routen in einem Wandbereich gibt. Damit ist der Profi mit dem Anfänger auf einer Ebene. Und der Profi gibt dem Anfänger gerne Tipps – sofern der Anfänger diese haben möchte. Der typische Boulderer ist locker, hilfsbereit und echt nett. Mittlerweile hat sich der Spaßfaktor beim Klettern herumgesprochen. Viele Gruppen kommen in Form von Events. Wir haben zum Beispiel viele Kindergeburtstage bei uns. Aber auch Schul-AGs, Vereinsmannschaften, die mal etwas anderes probieren möchten, oder Gruppen aus sozialen Einrichtungen sind regelmäßig da. Eine größere Rolle könnte das Bouldern im Betriebssport spielen.

Bild ganz oben: In fünf verschiedenen Schwierigkeitsstufen geht es an der Hamburger Straße die Wände hoch.

geschrieben von  pau