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Fokus Chefbüro: Olaf Kierchner Dienstag, 13 Februar 2018 09:38 Foto: Jörg Scheibe

Fokus Chefbüro: Olaf Kierchner

Olaf Kierchner ist ein Mann der Etikette. Er weiß alles über Etiketten. In seinem Unternehmen Unipress in Salzgitter-Engelnstedt werden täglich mehr als eine Million Etiketten und Schilder aller Formen, Größen und Farben gedruckt – vom Einzelstück bis zu Millionen­auflagen von Barcode-Etiketten. Beim Blick in den Ausstellungsraum und in die Druckerei wird dem Besucher schnell die riesige Produktvielfalt klar, die Unipress seinen rund 4000 Kunden bietet.

Und wenn Kierchner im Chefbüro, das nüchtern und funktional mit viel Holz und Licht ausgestattet ist, über sein Geschäft spricht, dann sieht man ein, dass es ein Leben ohne Etiketten und Schilder gar nicht geben kann. »Etiketten sind Kennzeichnungen, es sind Datenspeicher mit Informationen beispielsweise für Hersteller, Händler oder Verbraucher«, erklärt Kierchner. Sie sind in unserem Alltagsleben allgegenwärtig: auf Produkten, Maschinen oder Fahrzeugen. »Stellen Sie sich vor, es gebe keine ­Etiketten«, fragt ­Kierchner hypothetisch und gibt selbst die Antwort: »Nichts würde in unserer Wirtschaft laufen, nichts würde funktionieren.«

Mittelständische ­Erfolgsgeschichte

Kierchner hat in 35 Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben: Vom Ein-Mann-Betrieb bis zur mittelständischen Firmengruppe mit 70 Mitarbeitern. »Den ersten Auftrag erhielt ich vom Computerhersteller Commodore in Braunschweig«, erinnert er sich. Da ging es um Produkt-Etiketten und um die Bedruckung von Tastaturen. Heute arbeitet Unipress ausschließlich für Industriekunden und beschäftigt 55 Mitarbeiter. Die Schwesterfirma Eurostic im nordrhein-westfälischen Willich stellt Etiketten nur für die Nahrungsmittelbranche her und die Firma Translabel in Salzgitter-Engelnstedt befasst sich mit Transponderfunk-Etiketten.

1985 hatte Kierchner in Engelnstedt auf der grünen Wiese eine Druckerei errichtet, die seitdem mehrfach erweitert worden ist. Sie sieht gar nicht aus wie eine Fabrik, eher wie ein Feriendorf mit rund 50 hausähnlichen Bauelementen, die neben- und übereinander angeordnet sind. »Das passt ganz gut zum ländlichen Ortsbild«, findet Kierchner. Drum herum gibt es viele grüne Flächen. Der Umweltschutz war dem Unternehmer von Anfang wichtig. Es gibt auf dem Gelände Wiesen, einen kleinen Wald, einen Teich, dichte Hecken mit Nistplätzen für Vögel und wasserdurchlässiges Ökopflaster. Unipress produziert CO2-neutral vor allem durch die ausschließliche Nutzung von Ökostrom. Es werden keine Lösungsmittel mehr eingesetzt und eingekaufte Produkte werden auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft. Kierchners Fazit: »Wir sind im Umweltschutz so erfolgreich, dass wir kaum noch neue Ziele finden.«

Jederzeit erreichbar

Auch für die Mitarbeiter macht der Druckerei-­Chef einiges. »Ein sauberes und gesundes Umfeld schafft ein gutes Arbeitsklima, zufriedene Mitarbeiter bringen bessere Leistungen«, fasst Kierchner zusammen. Er habe einen Führungskreis von vier Mitarbeitern, die eigenständig arbeiten. »Eigentlich müsste ich gar nicht mehr regelmäßig hier sein.« Sein Chefbüro liegt nahe dem Haupteingang an der Eingangshalle. »So bin ich grundsätzlich jederzeit für jeden Mitarbeiter erreichbar«, versichert Kierchner.

Unipress produziert Etiketten und Schilder ausschließlich für die Industrie. Die wichtigsten Kunden kommen aus der Autoindustrie, aus der Elektrotechnik- und Elektronikbranche, aus der Medizintechnik und aus dem Maschinenbau. Mehr als die Hälfte der Fertigung geht an Wiederverkäufer, etwa Schilderhersteller und Händler. Der Exportanteil beträgt 15 Prozent, es wird sogar in die USA geliefert.

Verschiedene ­Drucktechniken

In der Fertigung werden acht verschiedene Drucktechniken genutzt, vom Sieb- und Rota­tionsdruck bis zur Lasertechnik und dem modernen Digitaldruck. Das Spektrum der Produkte reicht von Werbeschildern über so genannte Frontliner (beispielsweise Schilder mit Bedienungshinweisen vorn auf Waschmaschinen) und Barcode-Etiketten bis zu werbenden Firmenlogos. Es werden auch Etiketten aus robusten und widerstandsfähigen Materialien gedruckt: beispielsweise für Solaranlagen auf Dächern, die Temperaturen von minus 40 bis plus 100 Grad aushalten müssen. Andere Etiketten sind auf der Rückseite mit speziellen Kristallen beschichtet und können vorn Temperaturen anzeigen.

»Wir drucken überwiegend auf Kunststoff-­Folien«, erläutert Kierchner. Für spezielle Anwendungen werden sie im Hause entwickelt und definiert, dann dem Folien-Hersteller vorgegeben. Daraus haben sich schon einige neue Etikettier-Techniken entwickelt, für die das Unternehmen Patente hält. Unipress hat eine eigene F+E-Abteilung mit sechs Mitarbeitern. »Innovation ist unsere Treibkraft und unser Erfolgsfaktor«, stellt Kierchner fest: »Es geht immer darum, den Kunden und seine Produkte zu verstehen und über sie nachzudenken.« Er nennt drei Beispiele: Für einen Automatenhersteller werden Briefmarken für Automaten für den weltweiten Verkauf gedruckt, für einen Getränkehersteller wurde eine abgedeckte Dose mit einer hygienischen Folienschicht über den Deckel entwickelt und schließlich ist derzeit ein neuer fälschungssicherer Datenspeicher als Schutz vor Produktpiraterie in Arbeit.

Das Büro mit Notausgang

Kierchners Büro ist zweckmäßig und nur sparsam mit Technik ausgestattet. Es herrscht Ordnung auf dem Schreibtisch. Für ihn hat das Wohlfühlcharakter: »Ich mag es nicht, wenn zu viele Dinge herumliegen.« Er brauche klare Strukturen – auch im Betrieb. Auffällig für ein Chefbüro sind mehrere Blumensträuße im Raum. Privates gibt es kaum zu sehen. An einer Wand hängt ein altes Foto von seinem Ururgroßvater, der einst Kantor an einer Schule in Leiferde war und nebenbei eine Drillsaatmaschine erfunden hat. Und dann gibt es doch etwas Ungewöhnliches in diesem Chefbüro: Hinter einer Schranktür aus Holz verbirgt sich ein »Notausgang«. Wenn es der Chef mal eilig hat und in der Eingangshalle vor dem Büro zu viel Gedränge herrscht, dann verabschiedet er sich auch schon mal durch diese Hintertür.

geschrieben von  sie