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Fokus Chefbüro: Martin Schmelzer Montag, 06 November 2017 14:20 Foto: André Pause

Fokus Chefbüro: Martin Schmelzer

»Ich bin rundum zufrieden«, sagt Martin Schmelzer mit einem dezenten, nichtsdestotrotz gut wahrnehmbaren Grinsen auf die Vor- und Nachteile seines Büros im BZV-Medienhaus angesprochen. Der Mann fühlt sich wohl, das spürt der Besucher – und er kann es allein dadurch nachvollziehen, in dem er durch die großen Fenster auf das Treiben in der Langen Straße, auf die Türme der Andreas- und der Katharinen-Kirche schaut. Seit dem 1. April 2015 ist der 44-Jährige Manager Geschäfts­führer der Anzeigenzeitung Neue Braunschweiger (sowie ihrer Ableger in Helmstedt und Wolfsburg) und obendrein verantwortlich für den kompletten Zustellapparat seines Arbeit­gebers – sowohl für die Tageszeitung als auch für die Gratisblätter. Jetzt begleitet er zusätzlich das On-Boarding des im April dieses Jahres erworbenen Spezialisten für Ambient-­Medien und -Marketing New City Media in die Strukturen des Medienhauses.

Viel Zeit, um den tollen Ausblick oder die sonstigen Vorzüge seines Arbeitsraumes bewusst zu genießen, hat Martin Schmelzer deshalb nicht. Hohe Arbeitsverdichtung, hochfrequentes Umschalten zwischen den Verantwortungsbereichen? Kein Problem – findet der Medienprofi: »Ich zähle meine Wochenstunden nicht. Ich habe ja das Privileg, dass meine Arbeit sehr abwechslungsreich ist und mir Spaß macht. Also ›tracke‹ ich das nicht so genau mit.« Auch an Wochenenden gebe es die eine oder andere Veranstaltung, die man besuchen müsse, immer wieder mal ein Konzept oder ein Projekt, das schnell noch fertig gedacht und gemacht werden soll. »Wenn etwas Dringendes ansteht muss man sich die Zeit nehmen, damit es rechtzeitig fertig wird. Aber natürlich braucht man hin und wieder mal ein Wochenende um runterzukommen. Das Gesamt­paket ist schon in Ordnung.«

Mit allen Wassern der Branche gewaschen

Die Gelassenheit, die Schmelzer im Gespräch ausstrahlt, könnte darin begründet liegen, dass er mit allen Wassern der Branche gewaschen ist. Als Trainee der in Freiburg beheimateten Badischen Zeitung im Sommer 1998 gestartet, übernahm er schon bald die Regionalverlagsleitung im Kreis Emmendingen, wechselte Ende 2000 in verantwortungsvoller Position zu einem Onlinestellenmarkt um ein Jahr später in der Bild-Anzeigen­abteilung des damals noch aus Hamburg agierenden Axel-Springer-Verlages anzuheuern. Dort begleitete er kaufmännisch zwei IT-Projekte und leitete danach die Stabsstelle CRM und ­Controlling. Die nächste Herausforderung erwartete ihn 2008 bei der Ippen-Gruppe: zunächst beim Uelzener Medienhaus C. Beckers, ab 2012 für zwei Jahre als Geschäftsführer der Syker Kreiszeizung.

Veränderungen im Bereich Anzeigenzeitungen

In seine Geburtsstadt Braunschweig – respektive seinen jetzigen Wohnort Lengede – kehrte Martin Schmelzer nach einem Sabbatical zurück. Der ehemalige Geschäftsführer der BZV Medienhaus GmbH, Harald Wahls, übertrug ihm zunächst ein Beratungsmandat und kein halbes Jahr später die Verantwortung für die Bereiche Anzeigenzeitungen und Logistik. Ein Vertrauensbeweis. Unter seiner Führung hat sich im Bereich der Gratiszeitungen seither einiges getan. »In Helmstedt und Wolfsburg haben wir die Verlagstitel Stadtgespräch herausgegeben, waren da aber sowohl mit der inhaltlichen Qualität als auch mit der wirtschaftlichen Situation nicht vollends zufrieden. Also haben wir überlegt, wie wir es besser machen können. Mit der Neuen Braunschweiger hatten wir schließlich eine sehr erfolgreiche Blaupause, was die Wirtschaftlichkeit, aber auch die redaktionelle Qualität und Akzeptanz in der Stadt angeht. Ergo haben wir die bestehenden Stadtgespräche umgewandelt«, skizziert Schmelzer das strategische Vorgehen, das also keinesfalls einen Kaltstart markiert.

Große Aufbruchsstimmung

Die Unternehmenskultur seines jetzigen Arbeitgebers komme ihm als Geschäftsführer sehr zupass. An Print als Branche glaube er als Vielleser mit Lust an längeren Texten, welche er gerne auch bei Lesern der von ihm geleiteten Titel wecken möchte, ohnehin. Darüber hinaus schätzte er es, im Job Verantwortung zu übernehmen und gestalten zu dürfen. Es gebe eine große Aufbruchsstimmung – in der gesamten Funke-Mediengruppe, zu der das BZV-Medienhaus gehört, schwärmt Martin Schmelzer: »Wir befinden uns gerade in einer sehr spannenden Phase, wo es im Medienmarkt viel um Konsolidierung und Professionalisierung geht. Die disruptiven Einflüsse des Internets stellen uns natürlich vor Herausforderungen. Allerdings sehe ich die Situation nicht so dramatisch wie die ganzen Schwarz­seher unserer Branche das immer darstellen wollen. Wir haben eine klare Fokussierung auf Wachstum und Akquise, was auf Konzern­ebene durch den Kauf der Springer-Print-Titel und in Braunschweig unter anderem durch die Übernahme des Johann-­Heinrich-Meyer-Verlages deutlich wurde. Und das in Zeiten, in denen sich andere Verlage gesund schrumpfen, Ausgaben und Titel einstellen.«

Arbeiten im Stehen

Ausruhen oder Zurücklehnen aufgrund erfolgreich erreichter Zwischenziele wolle sich jedoch niemand, so Schmelzer. Er selbst kann das ohnehin nicht, selbst wenn er wollte: der Geschäftsführer arbeitet im Stehen, seit mehr als 15 Jahren. Kein Spleen. »Das Stehen beugt latenten Rückenproblemen vor. So ist man den ganzen Tag in Bewegung und kann ein bisschen dem Festkleben am Bürostuhl entgegenwirken. Ich fühle mich einfach besser. Der Stuhl steht nur für Notfälle da – oder wenn wir einen fünften Stuhl am Besprechungstisch brauchen.«

Besprechungen gibt es oft bei Martin ­Schmelzer. Etwa 50 Prozent seiner Arbeitszeit verbringe er im funktional eingerichteten Büro, das er quasi ohne größere Veränderungen vom Vorgänger übernommen hat und für ihn zu einem Gutteil auch ein »Ort des Dialogs« ist. Kunden, Mitarbeiter und Kollegen nehmen am runden Tisch Platz. »Das Stehen ist in deutschen Büros wohl noch nicht so weit verbreitet, wie die Orthopäden sich das wünschen würden«, lacht der Medienmanager.

Keine Ablenkung

Persönliches oder Privates sucht der Besucher vergebens im Chefbüro. »Mir gefällt das so. Dadurch lenkt mich beim Arbeiten nichts ab. Bei Springer & Jacoby gab es ja mal diese Philosophie, dass alle Büros gleich aussehen mussten und nur graue Farbtöne erlaubt waren. Soweit würde ich nicht gehen, aber ich mag es, wenn ich mich voll und ganz auf die Aufgaben und die Lösung der Probleme konzentrieren kann.« Private Fotos seien auf dem iPad und sein Herz hänge eben an anderen Dingen als den Einrichtungsgegenständen am Arbeitsplatz. Martin Schmelzer zieht ein Etui aus der Sakkotasche: »Ich würde mit einem beliebigen Stift nicht schlechter schreiben, aber mit dem Füller schreibe ich einfach sehr gerne.«

Der Privatmann

Die Sekretärin klopft. Der nächste Termin wartet. Kaum noch Zeit, um über Hobbys und den Privatmann Martin Schmelzer zu sprechen. Im Kollegenkreis ist sein grüner Daumen bekannt. Dem widerspricht er nicht, und muss ein wenig schmunzeln: »Das kann man so sagen. Ich mache viel im Garten, zumindest so viel, wie man schaffen kann, wenn man nur alle paar Tage dazu kommt. Ansonsten spiele er auch gerne Golf (Handicap 27), allerdings ist auch das in den letzten Jahren etwas zu kurz gekommen.« Die Schläger schwingt er für den Golfclub ­Fehmarn. Auf der Ostseeinsel verbringt ­Schmelzer regelmäßig das eine oder andere Wochenende oder seinen Urlaub. So sehr das Gesamtpaket im Job stimmen mag: runterkommen muss schließlich jeder einmal.

geschrieben von  pau