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Salzgitter AG: Höchster Vorsteuer­gewinn seit der Finanzmarktkrise Mittwoch, 28 März 2018 09:55 Foto: André Pause

Salzgitter AG: Höchster Vorsteuer­gewinn seit der Finanzmarktkrise

»Wir bekennen uns zum Stahl, dort liegt unsere DNA«, sagte Professor Dr.-Ing. Heinz Jörg ­Fuhrmann, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG, bei der Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2017 im Gästehaus des Konzerns. So sei das Hinwirken auf ein ausgeglichenes Verhältnis des stahlnahen (zuletzt etwa 60 Prozent) und stahlfernen Geschäfts zwar durchaus ein Ziel der Wachstumsstrategie »Salzgitter AG 2021«, schließlich sei quantitatives Wachstum heuer ausschließlich mit stahlfernen Aktivitäten (insbesondere im Geschäftsbereich Technologie) möglich. Auf der anderen Seite schloss die Salzgitter AG das Geschäftsjahr 2017 aber eben auch mit dem besten Vorsteuerergebnis seit der Finanzmarktkrise ab. Und das vor dem Hintergrund eines im Flachstahlbereich deutlich verbesserten, insgesamt jedoch nach wie vor herausfordernden Marktumfeldes.



Haupttreiber hierfür seien hervorragende Resultate der Geschäftsbereiche Flachstahl und Handel sowie erhebliche Effekte aus den umgesetzten internen Maßnahmenprogrammen. Mit 35,9 Prozent Eigenkapitalquote sowie einer auf 380,5 Millionen Euro angestiegenen Netto­finanzposition bleibt die bilanzielle und finan­zielle Basis des Unternehmens solide.

Der Außenumsatz des Konzerns erhöhte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr hauptsächlich erlösbedingt auf knapp 9 Milliarden Euro. Mit 238,0 Millionen Euro hat sich der Gewinn vor Steuern mehr als vervierfacht. In diesem Resultat sind 79,3 Millionen Euro Beitrag aus dem Aurubis-Engagement und in Summe -82,9 Millionen Euro Aufwendungen für strukturverbessernde Maßnahmen des konzernweiten Programms »FitStructure SZAG« sowie bilanzielle Anpassungen des Anlagevermögens der Salzgitter Mannesmann Grobblech GmbH enthalten. Nach Steuern verdiente der Stahl­hersteller 193,6 Millionen Euro.

Freude über das Erreichte sei jetzt durchaus angebracht, zum Zurücklehnen in Selbstzufriedenheit bestehe indes kein Anlass, sagte Fuhrmann: »Wir müssen, wollen und werden dranbleiben.«

Entwicklung der ­Geschäftsbereiche

Der Außenumsatz des wichtigsten Geschäftsbereiches Flachstahl wuchs im Wesentlichen aufgrund höherer Durchschnittspreise für Flachstahlprodukte bei stabilem Versand um knapp ein Fünftel auf 2159,8 Millionen Euro. Mit 182 Millionen Euro Gewinn vor Steuern steigerte das Segment sein Resultat erheblich. Neben der verbesserten Erlösqualität, so der Vorstand, zeigten sich positive Effekte der eingeleiteten Maßnahmenprogramme. Gegenläufig hätten höhere Rohstoffkosten, insbesondere für Kokskohle, gewirkt.

Marktlage und Rahmenbedingungen





In dem von anhaltend hohen Grobblechimporten sowie volatilen und tendenziell aufwärts­gerichteten Rohstoff- und Energiepreisen geprägten Marktumfeld übertraf der Außenumsatz des Geschäftsbereiches Grobblech/Profilstahl mit 1024,3 Millionen Euro den Vorjahreswert sowohl preis- als auch mengen­getrieben spürbar. Die -57,7 Millionen Euro Vorsteuer­ergebnis des Bereiches beinhalten sowohl die Auflösung auftragsbezogener Rückstellungen als auch eine bilanzielle Anpassung des Anlage­vermögens der Salzgitter Mannesmann Grobblech GmbH in Höhe von -48,8 Millionen Euro. Während die Grobblechgesellschaften ihre operativen Verluste reduzierten, konnte die Peiner Träger GmbH nicht an die erfolgreichen Vorjahre anknüpfen.

Der Geschäftsbereich Mannesmann verzeichnete vor allem bewirkt durch ausgeweitete Lieferungen der Mannesmann Line Pipe GmbH erhebliche mengenmäßige Absatzsteigerungen. Der Außenumsatz der frisch relaunchten Marke überschritt die 1-Milliarde-Euro-Marke, das Vorsteuerresultat wurde auf -5,6 Millionen Euro verbessert. Hierin enthalten sind -21,0 Millionen Euro Aufwand für strukturverbessernde Maßnahmen.

Eckdaten und Marktlage




(Die Grafiken wurden von der Salzgitter AG zur Verfügung gestellt.)


Den mit 70,5 Millionen Euro höchsten Vorsteuergewinn seit 2012 konnte das Segment Handel verbuchen. Preissteigerungen sorgten dafür, dass der Außenumsatz mit 3229,9 Millionen Euro höher war als in 2016, obwohl der Absatz infolge eines geringeren internationalen Projektgeschäfts unter dem Vorjahresniveau lag. Der Außenumsatz des Geschäftsbereiches Technologie rangierte mit 1284,7 Millionen Euro auf dem zuletzt erreichten Level.

Ausblick

Vor dem Hintergrund eines guten Starts in das neue Geschäftsjahr geht der Salzgitter-Konzern für 2018 von einem geringfügig gesteigerten Umsatz oberhalb von 9 Milliarden Euro, einem Vorsteuerergebnis zwischen 200 bis 250 Millionen Euro sowie einer im Vergleich zum Vorjahreswert stabilen Rendite auf das eingesetzte Kapital aus.

Der Fokus in den kommenden Jahren soll zunehmend auf die Wachstumsprogramme gelenkt werden, ohne die Basisarbeit aus dem Blick zu verlieren. Neben den Restrukturierungen durch das bereits begonnene Maßnahmenprogramm »FitStructure«, schwerpunktmäßig in den Geschäftsbereichen Mannesmann und Technologie, ist der Bau einer dritten Feuer­verzinkungsanlage am Standort Salzgitter (die Inbetriebnahme soll in der zweiten Jahres­hälfte 2020 erfolgen) ebenso beschlossen, wie der Ausbau des Werkes in Mexiko. Das 150-Milli­onen-Euro-Projekt »Neue Wärme­behandlungslinie« der Salzgitter-Tochter Ilsenburger Grobblech GmbH als bisher größte Einzelinvestition am Standort ist bereits gestartet. Gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft arbeitet die Salzgitter AG darüber hinaus im Projekt SALCOS an der CO2-reduzierten Stahl­erzeugung, um der Politik in dieser Hinsicht ein, so ­Fuhrmann, »ernsthaftes Angebot« zu machen.

Gelassenheit demonstrierte der Konzern-Chef bezüglich des von US-Präsident Donald Trump initiierten Handelsstreits. Strafzölle seien Maßnahmen, die zweifelsohne wirken, ganz egal, ob man die Vorhaben politisch richtig oder zweifel­haft finde: »Trump ist kein Politiker. Er tritt – ganz wertfrei – an, um das umzusetzen, was er angekündigt hat.« Bei aller Kritik wisse man bei ihm zumindest, woran man ist. Damit müsse man umgehen und dürfe sich nicht ­schockieren lassen. »Wer droht, will verhandeln.« Die direkten Auswirkungen hält Fuhrmann für überschaubar, die indirekten durch Handels­umlenkungen – Experten halten eine Steigerung der Importmenge in Europa von 40 Prozent für möglich – weniger. Von der EU erwarte er daher mit dem Regelwerk der WTO im Einklang stehende Safeguard-­Maßnahmen.

Bild oben: Professor Dr.-Ing. Heinz Jörg Fuhrmann, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG (l.), und Finanzvorstand Burkhard Becker bei der Bilanzpresse­konferenz in Salzgitter.
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