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Virtuelle Wunscherfüller: IHK-Sozial­transferpreis ­öffnete dem Verein »Weihnachten für alle« neue Türen Dienstag, 05 Dezember 2017 09:01 Foto: André Pause

Virtuelle Wunscherfüller: IHK-Sozial­transferpreis ­öffnete dem Verein »Weihnachten für alle« neue Türen

Der IHK-Sozialtransferpreis wird im kommenden Jahr bereits zum neunten Mal verliehen. Da ist es an der Zeit, einen Rückblick zu wagen. Was ist aus den Hauptpreisträgern 2017 geworden? Gibt es das Projekt noch und ist vielleicht sogar eine Fortsetzung geplant? Mit »Weihnachten für alle« wurde ein Leuchtturmprojekt prämiert. Im Interview berichten Jan Grahns (Mobil macher GmbH) und Thomas Spork über die Zeit nach dem Sozialtransferpreis.

Herr Grahns, Herr Spork, mit dem Projekt »Weihnachten für alle« haben Sie in diesem Jahr den Sozialtransferpreis der IHK Braunschweig gewonnen. Wie sind Sie auf die Projektidee gekommen?

T. S.: Der ursprüngliche Ansatz des Kernteams mit Michael Skolik (echtrund), Jan Grahns, Marilyn Rangel (arauara) und meiner Person war es, unsere Expertise im Marketing zur Weihnachtszeit für einen karitativen Zweck einzusetzen.

Jedes Türchen eine Spende

Wir mögen den Tagestreff Iglu in der Wilhelm­straße und besonders das dortige Weihnachtsfest am 24. Dezember. Schnell war klar, dass wir diese Institution durch einen Spendenaufruf unterstützen wollten.

J. G.: Uns war aufgefallen, dass karitative Einrichtungen in den sozialen Medien unterrepräsentiert sind. Nun eilt diesen Medien auch nicht unbedingt der Ruf voraus, diesbezügliches Engegament besonders zu fördern. Also haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, soziale Themen in sozialen Medien zu adressieren. Dabei kamen wir auf die Idee eines virtuellen Advents­kalenders für den guten Zweck. Wir sprachen Unternehmen an und baten sie um Spenden für das Iglu. Als Gegenleistung boten wir ihnen ein Türchen in unserem Adventskalender. Auf diese Weise kamen nach und nach viele Sach- und Geldspenden zusammen.

Als wir dann noch die Aktion »Wunsch­erfüller« ergänzten, bei dem wir Fotos von den Weihnachtswünschen der Obdachlosen in den sozialen Medien gezeigt haben, wurde der Zuspruch so groß, dass wir uns entschlossen, eine eigene Weihnachtsfeier zu organisieren.

Inwiefern hat Ihnen die Auszeichnung mit dem Sozialtransferpreis geholfen, das Projekt nach vorne zu bringen?

J. G.: Der Preis hat dem gesamten Projekt einen ungeheuren Schub verliehen. Durch diesen Preis öffnen sich uns viele Türen bei Unternehmen. Es fällt uns seitdem viel leichter, potenzielle Spender für unser Projekt zu begeistern. Teilweise fragen uns Unternehmen inzwischen von selbst, ob sie uns in unserer Arbeit unterstützen können.

T. S.: Die Wirkung dieses Preises auf unser Projekt ist tatsächlich unbezahlbar und bringt uns inzwischen in Dimensionen, die wir uns zu Beginn der Initiative kaum hätten vorstellen können. Durch die mediale Aufmerk­samkeit haben sich auch viele Helfer freiwillig gemeldet, um das Team zu verstärken, insbesondere Nadine Maxrath (maxvent) und Thomas ­Hoffmann (Brainstorm Design Group). Im Laufe des vergangenen Jahres wuchs das Team dann so sehr, dass eine neue Rechtsform gebraucht wurde. Daher werden wir »Weihnachten für alle« demnächst in einen gemeinnützigen Verein umwandeln, um diese karitative Arbeit dauer­haft in Braunschweig zu verankern. Ohne den IHK-Preis wäre das sicher nicht in dieser kurzen Zeit denkbar gewesen.

Der Kunde ist mündiger

Es gibt zahlreiche Unternehmen im Bezirk der IHK Braunschweig, die sich sozial engagieren. Und das nicht ausschließlich finanziell. Was, denken Sie, ist ein Vorteil für Unternehmen, die sich sozial engagieren?

T. S.: Wir alle kommen aus dem Marketing und beschäftigen uns daher beruflich mit der Frage nach Ideen, wie Kunden gewonnen und gebunden werden können. Die Digitalisierung brachte bislang und bringt auch zukünftig enorm viele Veränderungen mit sich. Das gilt auch für die Bereiche der Markenführung, der Unternehmensdarstellung und im Marketing allgemein.

Der Kunde ist heute viel mündiger und nicht mehr durch Werbekonzepte aus dem letzten Jahrhundert zu überzeugen. Man findet diesen Kunden zwar in den sozialen Medien, aber herkömmliche Werbung interessiert ihn kaum noch. Konzepte wie »corporate social responsibility« oder Ethik und Moral im unternehmerischen Handeln sind ja nicht neu, erfahren jedoch in letzter Zeit wieder neue Beachtung. Die zuletzt gehypten Konzepte wie »content marketing« oder »context marketing« stoßen dort an unüberwindbare Grenzen, wo der Kunde sich recht einfach über solche Unternehmen informieren kann, deren Ethik und Moralkodex nicht mehr in die heutige Zeit passen. Dann ereignen sich Phänomene wie Shitstorms oder ein Boykott.

Die inneren Werte

Es ist daher beinahe egal, welche technischen Neuerungen noch entwickelt werden und welche Marketingkonzepte noch erdacht werden, um Kunden für sich zu gewinnen. Der Kunde interessiert sich letzten Endes für die inneren Werte eines Unternehmens und einer Marke. Ich kann mich als Endverbraucher nur mit solchen Unternehmen identifizieren, die auch meine Wertvorstellungen teilen.

J. G.: Wenn man diese Gedanken zu Ende denkt, kommt man zu beinahe philanthropischen Ansätzen beim sogenannten »kundenzentrierten Marketing« oder der »customer experience journey«. Der Endverbraucher findet in der heutigen Zeit seine bestmögliche Kundenerfahrung dort, wo er sich selbst als großzügig, ethisch oder edelmütig erlebt. Wenn er sich dann auch als Kunde eines Unternehmens oder einer Marke so wahrnimmt, verbindet er positive Gefühle damit.

Unternehmen, die sich sozial engagieren und das auch kommunizieren, haben am Markt dann ungeheure Vorteile, wenn der Kunde mit ihnen positive Gefühle verbindet. Dies ist ein Marktvorteil, der nicht hoch genug bewertet werden kann.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich mit »Weihnachten für alle« zu bewerben?

J. G.: Wir lesen regelmäßig das IHK-Magazin und verfolgen daher auch den Sozialtransferpreis. Die Projekte der vergangenen Jahre haben uns sehr beeindruckt und inspiriert. Besonders in Erinnerung geblieben sind uns die Aktionen unserer Freunde Marco Dehne und Holger Wehlage vom Kick Off und natürlich die Weihnachtsfeier für bedürftige Menschen im Waldhaus Oelper. Es war daher nur folgerichtig, sich mit unserem Projekt um diesen Preis zu bewerben.

Wenn Sie an die Preisverleihung zurückdenken, welcher Moment ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

T. S.: Es gab diesen nicht enden wollen­den Applaus, als wir das Video, das Michael (­Skolik – echtrund) von unserer Weihnachtsfeier gedreht hat, dem Publikum bei der Preisverleihung gezeigt haben und der ganze Saal klatschte Beifall. Wir beide standen nun da oben und waren tatsächlich zu Tränen gerührt ob dieses Zuspruchs. Das war ein echter Gänsehaut-Moment.

Wie geht es nun mit dem Projekt weiter? Ist eine Fortsetzung geplant?

T. S.: Ja, wir setzen das Projekt fort. Bereits bei unserem ersten Kontakt mit dem Iglu und hilfsbedürftigen Menschen haben wir gemerkt, dass hier ein riesiger Bedarf besteht. Selbst elementare Dinge, von denen wir dachten, dass sie in einem Land wie Deutschland selbstverständlich sind – wie beispielsweise warme Socken, Schuhe, Unterwäsche aber auch warme Mahlzeiten – sind bei Weitem nicht allen zugänglich. Das hat uns im ersten Augenblick schockiert. Obdachlosigkeit findet in der Öffentlichkeit kaum Beachtung, Spendensummen sind sehr gering und oft wird das Thema stigmatisiert. Dabei sind die Obdachlosen Teil unserer Gesellschaft – um die es sich zu kümmern gilt. Wir wollen mit unseren Aktivitäten die Öffentlichkeit sensi­bilisieren und die Nöte begreifbar machen.

J. G.: Um diese Hilfe dauerhaft leisten zu können, haben wir uns entschlossen, aus dem Projekt einen gemeinnützigen Verein zu machen, der sich gerade in Gründung befindet. Wir möchten dauerhaft Patenschaften von Unternehmen und Privatpersonen gewinnen, um das bürgerliche Engagement gegen Wohnungslosigkeit wirkungsvoller, planbarer und alles in allem nachhaltiger zu machen.

Daneben bereiten wir gerade wieder den Adventskalender mit Spenden vor. Er startet am 1. Dezember und zeigt bis zum Heiligen Abend spendende Unternehmen.

Die Aktion »Wunscherfüller« haben wir komplett überarbeitet. In Kooperation mit dem Projekt Medienpädagogik der Ostfalia Hochschule werden zehn Studierende Fotos von den Weihnachtswünschen der Wohnungs­losen erstellen. Diese Fotos werden wir nicht nur in den sozialen Medien, sondern auch im Rahmen einer Ausstellung im Schlosscarree zeigen. Die Besucher der Ausstellung haben dann die Möglichkeit, Pate der Wünsche zu werden und diese zu erfüllen. Die Ausstellung beginnt mit einer Vernissage am 7. Dezember um 18 Uhr im Schlosscarree am Ritterbrunnen in Braunschweig.

T. S.: Höhepunkt und Abschluss des Jahres 2017 wird dann wieder unsere Weihnachtsfeier im Theater Das KULT unseres Freundes ­Thomas Hirche sein. Dort wird es wieder warmes Essen und Unterhaltung für unsere Gäste geben. Wir hoffen, dass wir bis dahin viele Weihnachtswünsche mit der Aktion »Wunsch­erfüller« verwirklichen können, um auf der Feier auch reichlich Geschenke verteilen zu können. Aber nach der Erfahrung des letzten Jahres sind wir da fast sicher.

 

Bewerbungsfrist ­Sozialtransferpreis 2018

Die Bewerbungsphase für den Sozial­transferpreis läuft vom 5. Januar bis zum 5. März 2018. Die Preisverleihung wird am 25. Mai im Kongresssaal der IHK stattfinden. Um den Bewerbungsaufwand möglichst gering zu halten, stehen auf der IHK-Homepage unter der Artikel ID 136 ein ausfüllbares Bewerbungsformular sowie ein Leitfaden zur Erstellung der Bewerbung zum Download bereit. Weitere Informatio­nen erhalten Sie bei Sabrina Koltermann unter Tel. 0531 4715-265 oder sabrina.koltermann@braunschweig.ihk.de.

 

Infobox: »Weihnachten für alle«-Kanäle

Webseite: http://weihnachten-braunschweig.de/
Facebook: https://www.facebook.com/Weihnachtenfuerallebs/
Instagram: https://www.instagram.com/weihnachtenfueralle/

 

Ansprech­partnerin:
Sabrina Koltermann, E-Mail: sabrina.koltermann@braunschweig.ihk.de, Tel.: 0531 4715-265

Bild ganz oben: Thomas Spork (r.) und Jan Grahns intensivieren ihr Engagement mit dem Projekt »Weihnachten für alle«.

geschrieben von  sk