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Juleumsgespräch in Helmstedt: Unternehmer im Gespräch mit Politik und Verwaltung Mittwoch, 29 November 2017 08:34 Foto: André Pause

Juleumsgespräch in Helmstedt: Unternehmer im Gespräch mit Politik und Verwaltung

Am 18. Oktober 2017 lud die IHK Braunschweig zum Gespräch über die Zukunftsperspektiven der Wirtschaft im Landkreis Helmstedt ein. Sie setzt damit ein seit 1999 etabliertes Format fort. Sprecher waren: Landrat Gerhard Radeck, Dr. Jens Bölscher, Geschäftsführer der Welfenakademie, und Dr. Frank Fabian, Geschäftsführer der Allianz für die Region GmbH. Der Bibliothekssaal in der ehemaligen Helmstedter Universität gab dem Dialog den passenden Rahmen.

In seiner Begrüßung dankte IHK-Präsident ­Helmut Streiff IHK-Vizepräsident Lorenz Flatt für die Initiative zur Fortsetzung dieser Gesprächsreihe, bei der die Zukunft des Landkreises Helmstedt mit der besonderen Herausforderung des Strukturwandels des Helmstedter Reviers im Mittelpunkt stehen. Landrat Gerhard Radeck sprach von einer besonderen Aufbruchstimmung im Landkreis Helmstedt und wies einführend darauf hin, dass circa 90 Prozent der finanziellen Mittel und des Personals auf den gesetzlichen Aufgabenbereich des Landkreises entfallen. Darüber hinaus gebe es jedoch ein besonderes Engagement zur Bewältigung des Struktur­wandels und des sich immer stärker abzeichnenden Fachkräftemangels. Als positives Signal stellte Radeck heraus, dass es gemeinsam mit der Allianz für die Region gelungen sei, die Ausbildungswerkstatt des Unternehmens EEW Energy from Waste GmbH zu erhalten.

Wesentliche Zukunftsaufgaben für den Landkreis, die dieser auch im Interesse aller Mitgliedskommunen vorantreibt, beschrieb Landrat Radeck an den »3 Bs«: Barmke, Breitband und Buschhaus.

Die »3 Bs«

Die sich bisher bei Barmke im Eigentum des Landkreis befindende Deponievorratsfläche wird als Gewerbe­gebiet geplant. Vorbereitende Arbeiten und ein städtebaulicher Vertrag zwischen den Beteiligten stellen sicher, dass diese attraktive Fläche an der A 2, sehr gut direkt erreichbar über die Autobahnabfahrt Rennau, im kommenden Jahr beginnend auf dem Markt platziert werden kann. Unter dem zweiten »B« beschrieb Radeck die Breitband-­Aktivitäten des Landkreises. Da die Markt­anbieter den Landkreis Helmstedt offenbar als nachrangig betrachten, nimmt der Landrat es nun selbst in die Hand, die Breitbandversorgung auszubauen. Mit einer Investitionssumme von circa 26 Millionen Euro bei Zuschüssen in Höhe von 11 Millionen Euro vom Bund und 9 Millionen Euro vom Land wird schnellstmöglich eine flächendeckende Anbindung mit der aktuellen Glasfasertechnik angestrebt. Damit sollen auch bei der Kommunikationsinfrastruktur im Landkreis die Voraussetzungen zur Umsetzung der wichtigsten Ziele Unternehmensansiedlung und der Entstehung von Arbeitsplätzen geschaffen werden.

Mit dem dritten »B« beschrieb Radeck die Situation rund um das Kraftwerk Buschhaus, das seine jetzige Funktion als Reservekraftwerk voraussichtlich zum Ende des Jahres 2020 verlieren wird. Mit einem »Helmstedter Reviermanagement« sollen alle Möglichkeiten einer Nachnutzung geprüft und schnellstmöglich realisiert werden. Dies geschieht auch mit einer gebündelten Wirtschaftsförderung im Landkreis Helmstedt, die neue Räumlichkeiten in einem ehemaligen Postgebäude in Helmstedt bezieht. Im Rahmen des Reviermanagementprojektes stehen 400 000 Euro pro Jahr für Planungs­zwecke zur Verfügung mit dem Ziel, mit größeren Schritten Richtung Strukturwandel voranzukommen. Landrat Radeck unterstrich an dieser Stelle noch einmal die Bedeutung der gemeinsamen Wirtschaftsförderung des Landkreises mit den kreiszugehörigen Kommunen. Mit entsprechender Abstimmung könne es gelingen, die Potenziale des Landkreises Helmstedt in Zusammenarbeit mit Entscheidungs­trägern des gesamten Wirtschaftsraumes stärker zu nutzen. Die dabei zu berücksichtigenden schwierigen Rahmenbedingungen beschrieb Radeck eindrucksvoll mit der Zahl, dass die Einnahmen im Landkreis Helmstedt um 28 Prozent unter den Durchschnittswerten des Landes liegen. Gerade vor diesem Hintergrund will Radeck die Wirtschaft mit allen ihm zur Verfügung stehen­den Möglichkeiten unterstützen und zum Erhalt sowie zur Ansiedlung von Industrie- und Gewerbe­betrieben beitragen.

Welfenakademie: Duales Studium höchster Qualität

Dr. Jens Bölscher, Geschäftsführer der Welfenakademie in Braunschweig, stellte diese im Jahr 1993 gegründete Bildungseinrichtung mit dem Alleinstellungsmerkmal eines dualen Studien­angebotes des Faches Betriebswirtschaftslehre mit derzeit acht Branchenspezialisierungen vor. In einem aktuellen Studienranking der Zeitschrift »Die Zeit« steht die Welfenakademie in diesem Jahr auf Platz eins. Dr. Bölscher betonte die von der Welfenakademie umgesetzte echte Dualität mit festen Beziehungen zu Partner­unternehmen. Die engste Verzahnung zwischen Theorie und Praxis sei für die Studierenden ein einzigartiger Vorteil, konkrete Bedarfe der Partnerunternehmen würden im Studium aufgenommen. Als konkrete Beispiele nannte der Referent hier Textiltechnik und Trendscouting in der Modebranche. Der besondere Blick auf die Qualität des Studiums spiegelt sich auch in der Auswahl der Dozenten wider. Nicht zuletzt leistet die Welfenakademie einen Beitrag zur Bindung der Studierenden in der Region. Als große Herausforderungen nannte Dr. ­Bölscher den fehlenden Abiturjahrgang 2020 und die gelegentlich nicht ausreichende politische Unterstützung im Vergleich zu steuerfinanzierten staatlichen Hochschulen.

Mit kreativen Ideen die Region bekannter machen

Dr. Frank Fabian von der Allianz für die Region verdeutlichte, wie wichtig das Engagement der Gesellschaft für die einzelnen Landkreise und damit auch für Helmstedt ist. Laut einer Umfrage ist 83 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung die Region nicht oder nur gering bekannt. Die Region verliere doppelt so schnell an Bevölkerung wie der Landesdurchschnitt und die unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeit innerhalb der Region birgt die Gefahr des Auseinanderdriftens. Das Regionalmarketing, mit dem die Allianz den Wirtschaftsraum ­Braunschweig-Wolfsburg nach innen und nach außen bewerben wird, steuert dieser Tendenz entgegen. Wichtig sei es, nicht nur die Attraktivität und das Profil nach außen zu schärfen, sondern auch den Stolz und das Bewusstsein der Region nach innen zu stärken. Unter www.die-region.de werden die lokalen Besonderheiten vorgestellt. Der Slogan »Alles da – Die Region bietet vielfältige Möglichkeiten für Beruf und Freizeit – Für das ganze Leben« macht laut Fabian deutlich, dass gute Jobchancen, Innovation und Forschung sowie Lebensqualität und Freizeitwert hier vor Ort zu finden sind. Er dankte für die bisherige Unterstützung durch eine bereits lange Reihe namhafter Unternehmen und bat darüber hinaus die anwesenden Repräsentanten der Wirtschaft, auch im Interesse der eigenen Unternehmen, eine Unterstützungsmöglichkeit zu prüfen. Die Region sei bereits gut vernetzt und müsse diese Einigkeit auch nach außen tragen. »Nicht nur die Forschernaturen aus der Stadt Braunschweig, auch Naturforscher aus Helmstedt finden hier ein Zuhause.« So wird für die Beziehung Helmstedt – Braunschweig die Präsidentin der Technischen Universität ­Professorin Dr.-Ing. Anke Kaysser-­Pyzalla mit ihrem Schreibtisch im Wald gezeigt. »Wir werden mit kreativen Ideen unsere Region bekannter machen«, war das abschließende Credo des Referenten.

Vizepräsident der IHK Braunschweig und Unternehmer aus Helmstedt Lorenz Flatt dankte den Referenten. »Durch Ihr Engagement wird sichtbar, dass Helmstedt in den Oberzentren als ein vitaler Teil einer spannenden Region betrachtet wird. Das sehen wir sehr positiv.«

Bild ganz oben: Dr. Frank Fabian (Geschäftsführer Allianz für die Region GmbH), IHK-Präsident Helmut Streiff, Dr. Jens Bölscher (Geschäftsführer der Welfenakademie), Landrat Gerhard Radeck und IHK-Vizepräsident Lorenz Flatt (v. l.).

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