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Berufsorientierung 360°: Das virtuelle Informations­portal der IHK Braunschweig Mittwoch, 01 November 2017 10:04 Foto: mobfish

Berufsorientierung 360°: Das virtuelle Informations­portal der IHK Braunschweig

Die IHK ­Braunschweig startet ein Pilotprojekt zur inno­vativen und interaktiven Berufs­orien­tierung – damit die regionalen Unternehmen leichter neue ­Auszubildende ­gewinnen ­können.

Ein Drittel der Ausbildungsplätze blieb im vergangenen Jahr unbesetzt. Hinzu kommt, dass aktuell durchschnittlich rund zehn Prozent der neuen Ausbildungsverhältnisse bereits in der Probezeit wieder gelöst werden. Ein Kernproblem hat sich in diesem Zusammenhang zuletzt immer deutlicher herauskristallisiert: Die neuen Auszubildenden haben häufig unklare Vorstellungen – von ihrem Beruf und dem Betrieb.

Keine Überraschung, denn viele Schüler sind unsicher bei der Berufswahl. Was erwartet sie bei einer Ausbildung? Was steckt hinter einem bestimmten Ausbildungsberuf? Wer sind die Ausbildungsunternehmen überhaupt? Welche Möglichkeiten gibt es nach der dualen Ausbildung? Bei diesen und anderen Fragen fehlt den jungen Leuten die Orientierung.

Eine Lösung: Virtual Reality

Unternehmen können die aktuellsten technischen Trends nutzen, um potenziellen Bewerbern diese Unsicherheit zu nehmen – indem sie ihnen einen direkten Einblick an den zukünftigen Arbeitsplatz und in den Betrieb geben. Die Virtual Reality (kurz: VR) ist eine künstlich erzeugte Umgebung mit Bildern, Videos, Animationen und Ton. Diese künstliche Umgebung kann beispielsweise ein Video aus einem Ausbildungsbetrieb sein, in dem dieser sich und seine Ausbildungsberufe präsentiert.

Mit Hilfe einer VR-Brille (schon ab 3 Euro) und eines Smartphones können sich interessierte Personen das Video jederzeit anschauen. Dabei erleben sie es, als würden sie mitten im Zentrum der Handlung stehen. »Schülerinnen und Schüler schauen so direkt in das Unternehmen rein. Sie erfahren beispielsweise, was bei einer Ausbildung in dem jeweiligen Betrieb auf sie zukommt, wie die Arbeitsplätze aussehen, wer die zukünftigen Ansprechpartner sind und wie die Ausbildung genau abläuft«, erklärt Jan Hauberg, Leiter der Abteilung Aus- und Weiterbildung der IHK Braunschweig.

Wie wird ein VR-Video ­produziert?

Die Grundlage dafür ist ein 360°-Video. Mit einer entsprechenden Kamera lassen sich Handlungen filmen, die in jedem Winkel rundherum stattfinden. Herkömmliche Kameras nehmen hingegen nur auf, was vor ihnen passiert. Für die VR filmen 360°-Kameras auch, was seitlich, über, unter oder hinter ihnen geschieht – und zwar gleichzeitig.

Für abwechslungsreiche Filme bietet es sich an, zwischen mehreren Standorten zu wechseln, an denen das 360°-Video gedreht wird. Etwa den Arbeitsplatz der Auszubildenden, die Besprechungsräume oder auch die Kantine. Mit etwas mehr Aufwand lassen sich zudem Sequenzen mit einer fahrenden Kamera oder aus der Luft mit einer Drohne erstellen.

Kern der VR ist, dass sich die Nutzer so fühlen, als wären sie Teil des Videos. Wer mit einer VR-Brille in virtuelle Sphären eintaucht, kann sich dort in alle Richtungen umschauen: Egal wie er den Kopf bewegt – seine Sicht im Video bewegt sich mit.

Wie wird ein 360°-Video abgespielt?

Plattformen wie Facebook oder YouTube können auch ohne VR-Brille ein 360°-Video abspielen. Wer dabei den Rundumblick nutzen möchte, kann sein Smartphone in die Richtung kippen, in die er schauen möchte, oder wischt mit dem Finger über den Bildschirm.

Möchte man eine VR-Brille nutzen, wird die ­Display-Anzeige des Smartphones geteilt. So liegt vor jedem Auge ein eigener kleiner Teil des Bildschirms. Mit dem Handy in der VR-Brille blickt dann jedes Auge auf jeweils einen der beiden Abschnitte – auf diesen läuft parallel das Video ab und es entsteht die räumliche, dreidimensionale Wahrnehmung in der virtuellen Realität.

Wer eine Brille nutzt, steuert sich mit seinen Augen durch das Menü der IHK-App. Einfach für zwei Sekunden auf unterschiedliche Play-Buttons schauen und schon erlebt der Nutzer die unterschiedlichen Video- oder Animationswelten.

Vorgeschmack auf die ­Ausbildung

»Indem Betriebe die VR nutzen, können sie jungen Menschen richtig Lust auf eine Ausbildung machen. Sie präsentieren sich mit einem innovativen Medium und geben ein transparentes Bild von der Realität in ihrem Unternehmen und dem Ausbildungsberuf«, sagt Hauberg.

Wenn regionale Ausbildungsbetriebe in die Virtual Reality einsteigen möchten, unterstützt sie dabei die IHK Braunschweig. Gemeinsam mit dem Wolfenbütteler IT-Start-up mobfish GmbH arbeite die IHK aktuell an dem Projekt »Berufsorientierung 360°«, so Hauberg weiter. Ziel sei es, Unternehmen eine VR-Plattform zu geben, auf welcher sie mit aussagekräftigen 360°-Videos ihre Ausbildungsberufe und sich selbst vorstellen könnten.

Virtueller Rundgang mit einer App

Als IHK-Portal werde es eine App geben, in welcher sich die potenziellen Bewerberinnen und Bewerber verschiedene Ausbildungsberufe und Unternehmensvideos ansehen könnten. »Mit unserem Informationsportal können die Schüler rund um die Uhr einen virtuellen Rundgang durch die verschiedenen Betriebe machen und sich über die jeweiligen Ausbildungsberufe informieren«, sagt der IHK-Abteilungsleiter.

Innerhalb des IHK-Informationsportals werden die Videos in einzelne Cluster eingeteilt – je nach Branche und Berufsfeld. Technisch wird die App sowohl mit als auch ohne VR-Brille nutzbar sein. Ohne Brille gelingt dies über die gewohnte Gestensteuerung oder die Bewegung der Smartphones.

Pilotphase für ­Berufs­orientierung 360°

Aktuell befindet sich das Projekt in der Pilotphase. »Wir suchen nach Ausbildungsbetrieben, die sich und ihre Ausbildung in einem interaktiven 360°-Video vorstellen möchten. Wenn wir eine bestimmte Anzahl an Filmen erreicht haben, werden wir unsere IHK-App in den unterschiedlichen App Stores veröffentlichen – dann stehen die virtuellen Türen der Unternehmen offen«, erklärt Hauberg.

Den Videodreh und die Pflege der App übernimmt die mobfish GmbH. Übrigens: Interessierte Unternehmen profitieren in der Pilotphase von einem besonders attraktiven Angebot, um das 360°-Video aufzunehmen und in der App zu betreiben.

­Ansprechpartner: Tim Jauernig, IHK-Projektkoordinator
Tel.: 0531 4715-208
E-Mail: tim.jauernig@braunschweig.ihk.de


Bild ganz oben: Mit einer VR-Brille teilt sich die Display-­Anzeige – auf beiden Teilen läuft parallel das Video ab.

geschrieben von  tj